Zwei junge Frauen, ein roter und ein blauer Gipsarm. Das Bild symbolisiert Zusammenhalt, aber was steckt noch dahinter? Das wollten wir von unserem Fotografen Erik Schlicksbier wissen.

@ Erik Schlicksbier/Westend61

@ Erik Schlicksbier/Westend61

Waren die Gipsarme echt oder Requisiten, Erik?

Erik Schlicksbier

Erik Schlicksbier

„Ein Gips war echt (der rote), der andere nicht. Da die beiden meine Broken Body Serie kannten, waren sie an mich herangetreten, als Mila gerade ihren Gips hatte und schlugen von sich aus vor, dass es doch eine coole Bildserie ergeben würde, wenn Caro als ihre beste Freundin auch einen bekommen würde.
Broken Body ist eine besondere Serie, die mir deswegen besonders ans Herz gewachsen ist, da es meine erste konzeptionelle Serie überhaupt war. Gestartet ist sie schon vor wirklich vielen Jahren – etwa 2008 – als eine Bewerbung für die Kölner Kunsthochschule, auch wenn es dann später der EVA-Lehrgang am Photo+Medienforum in Kiel geworden ist. Wie ich haargenau auf das Thema gekommen bin, kann ich gar nicht mehr so wirklich rekonstruieren, aber es gab sicher sowohl biographische – Arzt-/Psychiaterfamilie – als auch Interessensgründe: Ungefähr zu der Zeit hatte ich in Bochum noch Film- und Fernsehwissenschaften mit Psychologie als Nebenfach studiert und ein geniales Seminar zum ‚Körperkino‘ besucht.

Christian Fuchs hatte es mal ganz gut zusammengefasst: ‚Die physische Destruktion, schlussfolgert das Körper-Kino, ist eine der letzten Möglichkeiten im Kampf um den Rest der Leidenschaften in der post-orgiastischen Simulakren-Welt. Ein Ringen, das auf mehrfache Weise stattfindet: Die Protagonisten erhaschen Authentizität, indem sie ihren Körper selbst ins Spiel bringen oder, ganz wortwörtlich, aufs Spiel setzen, ihn verletzen, opfern und zerstören.‘

Die Filme, zu denen u.a. David Cronenberg, David Lynch oder Shinya Tsukamoto Werke beisteuerten, waren irgendwie eine Offenbarung. Kein aseptischer Held mehr, dem Schläge, Stürze, Kugeln nichts anhaben konnte. Nein, der Körper, der medial als so ‚unverletzbar‘ und ‚hart‘ dargestellt wird, wird im Körperkino so gezeigt, wie er wirklich ist (bzw. dann teilweise noch ins andere Extrem gesteigert).

Und plötzlich fiel mir für die Fotoserie dieses Oberthema ein: es geht um die Verletzlichkeit des vermeintlich starken Körpers. Die meist als so stark angesehene, in Wirklichkeit aber verletzliche und weiche Hülle des Menschen im spannenden Gegensatz zu der tatsächlichen Härte und Stärke von Schienen, Gipsen und/oder Fixateuren.

Seitdem gab es – auch durch die Fotografenausbildung – natürlich viele weitere thematische und/oder narrativen Serien. Zur Broken Body Serie kehre ich allerdings immer wieder zurück. Zum einen weil sie mir ans Herz gewachsen ist, da ich mit dieser Konzeption zum ersten Mal einen neuen Pfad in meiner Fotografie beschritten habe, zum anderen wahrscheinlich auch, weil ich noch immer auf der Suche nach der ‚perfekten‘ Broken Body Serie bin. Nur habe ich noch keinen Druck, die perfekte Serie zu finden. Momentan genieße ich es eher zu schauen, was für Stile, Möglichkeiten und Ideen diese Serie birgt, wenn man nur das vorhin genannte Oberthema befolgt. Und vielleicht findet sich dann irgendwann ‚die perfekte Serie’dazu. Zudem macht es auch Spaß, diesen Luxus der Freiheit zu genießen. Normalerweise hast Du als Fotograf deine Konzeption und hangelst dich daran entlang. Sich nur ein Oberthema zu stellen und dann in vielen Einzelserien zu schauen, wie man das Oberthema erfüllen kann, machen die wenigsten.

Was man als netten Nebeneffekt auch nicht vergessen darf: Die Bilder aus der Broken Body Serie sind die Bilder, die sich agenturmäßig am besten verkaufen … ;-)“