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Florian Küttler, 39, ist ein Spätberufener. Erst mit Mitte 30 beschloss er, Fotograf zu werden. Nach einer zweijährigen Ausbildung legt er 2012 seine Gesellenprüfung ab und widmet sich seitdem der Auftrags- und der Stockfotografie. Das Interview dreht sich um die Stockfotografie, seine Bildproduktionen, seine Pläne für dieses Jahr und um seine Lieblingsfotos.

Lieber Florian, du hast ja einen spannenden Lebenslauf, bist erst mit Mitte 30 Fotograf geworden. Wie kam es dazu?
Naja, spannend war es eher für meine Frau und meine Kids, da ich nochmal 2 Jahre nebenberuflich die Schulbank gedrückt habe, um dann abschließend die Gesellenprüfung als Fotograf zu absolvieren. Aber Auslöser war, dass mein bisheriger Berufsweg mir zwar jede Menge Herausforderungen, Erfahrungen und Verantwortung gebracht hat, mir aber dennoch nicht die Möglichkeit bot, meine innere Balance und Zufriedenheit zu finden.

Hast du die jetzt gefunden?
Also ich bin jetzt nicht gleich zu einem in Trance befindlichen Buddhisten mutiert, aber ich habe das Gefühl, dass ich wesentlich flexibler bin und derzeit – auch dank meiner Frau – Beruf und Familie unter einen Hut bekomme. Damit bin ich sehr glücklich.

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© Florian Küttler/Westend61

Du bist heute auch für Gewerbekunden als Auftragsfotograf tätig. Warum widmest du dich nicht ausschließlich der Stockfotografie?
Ich mag es eigentlich, dass ich die Erfahrungen aus dem Bereich der gewerblichen Fotografie in den anderen Bereich einfließen lassen kann – und umgekehrt. Ich denke, davon profitiere ich. Beispielsweise konnte ich meine Erfahrungen in der Organisation von Bildproduktionen erfolgreich bei größeren Gewerbekunden als Gesamtpaket zum Aufbau eines internen Bildpools verkaufen – von der Planung und Organisation über die eigentliche Produktion bis hin zur Postproduktion.

Wie bist du zur Stockfotografie gekommen? Was bedeutet Stockfotografie für dich?
Im Rahmen der Ausbildung hatte ich einen kleinen Blog über die Fotografie betrieben, den es mangels Zeit nicht mehr gibt. Dabei bin ich immer wieder auf das Thema Stockfotografie gestoßen. Ich fand und finde die Vielseitigkeit der Themen, den Anspruch und die Unabhängigkeit in der Umsetzung sowie die Eigenverantwortung sehr interessant. Über diesen Blog bin ich dann auch in Kontakt mit dir gekommen. Mir hat ein Interview mit Klaus Mellenthin in deinem Blog sehr gut gefallen und ich habe es damals bei mir veröffentlicht. Schlussendlich bin ich dann als Westend61-Fotograf hängengeblieben, weil mich die Agentur überzeugt hat.

© Florian Küttler/Westend61

© Florian Küttler/Westend61

Wie kommst du damit zurecht, dass es dort kein festes, sondern ein variables Einkommen gibt?
Eigentlich empfinde ich es genau anders herum. Ab einer gewissen Portfoliogröße bietet gerade die Stockfotografie ein relativ stabiles Einkommen. In der Auftragsfotografie ist das wesentlich variabler.

Das ist eine gute Einstellung und vollkommen richtig, wenn die Qualität wie bei dir stimmt.
Als ich dich kennengelernt habe, dachte ich mir, der Typ ist nicht nur ein sehr sympathischer Kerl, sondern hat Talent. Deshalb habe ich unseren Art Director Michael Kopal gebeten, mit dir zu produzieren. Ich habe das Gefühl, das war eine goldrichtige Entscheidung. Wie siehst du das?
Puh, danke fürs Kompliment!
Beim ersten Mal war es sehr ungewohnt, da ich bis dahin vor dem Finishing niemandem meinen vollständigen und unbearbeiteten Output gezeigt habe. Aber ich habe schnell festgestellt, dass es perfekt war,  Michael öfters an der Seite zu haben. Als Fotograf in komplexeren Produktionen ist man ja Drehbuchautor, Regisseur und Kameramann in einem. Allein neigt man unter Umständen dazu, sich in Sackgassen zu begeben. Da Michael und ich die gleiche Bild-Sprache sprechen, ist es sehr schön, im Vorfeld gemeinsam Storyboards zu erarbeiten. Es ist gut, während der Umsetzung jemanden bei sich zu haben, der einem sagt „komm haste im Kasten“ oder „haste das schon gesehen?“ oder „denk dran, du wolltest …“ oder „mach mal mehr Copyspace“.
Das erhöht die Sicherheit, den Output, die Qualität und damit das Einkommen.

Welche deiner mittlerweile recht vielen Produktionen hat dir am meisten Spaß gemacht und warum?
Das ist eine wirklich schwierige Frage. Im Nachhinein betrachtet haben mir irgendwie die Produktionen, die am meisten Geld eingebracht haben, am meisten Spaß gemacht – das kann aber bei der Umsetzung vielleicht ganz anders gewesen sein. Aber am Ende war es wohl die Produktion „Kreatives Chaos„.

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Florian am Set mit seinen Models bei der Produktion „Kreatives Chaos“.

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Hier eines der Ergebnisse aus der Produktion. © Florian Küttler/Westend61

Ansonsten gäbe es noch die relativ frische Winzerproduktion. Diese war fast erholsam und eine Fortbildung in Sachen Weinkunde. Ein Kurztrip in eine der schönsten Regionen Deutschlands zu sehr sympathischen und gastfreundlichen Winzern. Vielleicht ist die Erinnerung aber auch etwas durch den einen oder anderen Wein während der Produktion – der Authentizität halber – verklärt.

© Florian Küttler/Westend61

© Florian Küttler/Westend61

Sollte es so sein, macht das nichts, das Ergebnis sind wunderschöne Bilder. Jetzt aber ungetrübt: Welches Bild bei uns ist dein Lieblingsfoto?

Das ist noch schwieriger zu beantworten. Ich drehe den Spieß einfach um: Welches ist deins?

Ok, das ist jetzt nicht leicht zu beantworten, mir gefallen viele deiner Bilder sehr gut. Aber irgendwie fällt mir immer wieder das Bild ein, das wir auch schon als Header unserer Facebookseite hatten. Die zwei Freundinnen mit den Luftballons, die auf Berlin blicken.

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© Florian Küttler/Westend61

Dieses Bild hat einfach eine rundum positive Ausstrahlung. Gefällt dir meine Wahl?
Ja, das Shooting war auch ein besonderes. Sowohl das perfekte Wetter, die besondere Location als auch die Stimmung während des Shootings haben die Produktion einfach „rund“ gemacht. Genau das bringt dieses Bild meines Erachtens auch rüber.

Gehst du aus deiner Sicht mit deinen Produktionen ein hohes finanzielles Risiko ein? Du hast ja Kosten: Models, Location, Styling, Vorbereitung. Wie kalkulierst du das?
Das Risiko ist meines Erachtens relativ zu sehen und extrem abhängig von der Erfahrung, dem Bildbedarf im jeweiligen Thema sowie der Erwartungen der  Marktteilnehmer an den fotografischen Stil bzw. den Bearbeitungsstil.
Habe ich am Anfang – bedingt durch meine damaligen eher bescheidenen Microstockerfahrungen – wenige hundert Euro als Investitionsgrenze gesehen, sind derzeit Investments in Planung, die ein Vielfaches kosten.
Diese Kosten – Modelle, Visa, Location – ziehe ich im Nachhein von den Erträgen ab. Hier liege ich bei fast allen „reifen“ Produktionen – also denjenigen, die am Markt schon regelmäßig Verkäufe erzielen – meist schon nach etwa einem dreiviertel Jahr über dem Breakeven im engeren Sinne. Auch wenn sich die eine oder andere Produktion nur langsam diesem Punkt nähert, muss letztendlich das gesamte Portfolio betrachtet werden. Das bringt definitiv Gewinn. Aber das ist eigentlich nur die halbe Wahrheit. Zu diesen direkten Kosten müsste man eigentlich die indirekten Aufwände – Vor- und Nachbereitungszeiten – hinzurechnen. Das werde ich ab diesem Jahr in die Tat umsetzen.
Desweiteren optimiere ich meine Abläufe: Je mehr Produktionen ich im Jahr mache, desto mehr verteilt sich der Aufwand für Dinge wie Locationcheck oder der Aufbau eines Modelpools. Je mehr Erfahrungen man sammelt, desto schneller produziert man beim Shooting schon so endproduktnah, dass sich der Aufwand in der Nachbereitung verringert. Schlussendlich entwickle ich – neben der Zahlenbasis – langsam ein Gefühl dafür, was sich lohnt oder nicht.

Das klingt alles sehr gut. Welche Eigenschaften benötigt man, um erfolgreicher Stockfotograf sein zu können?
Neben den klassischen Eigenschaften eines Fotografen glaube ich, helfen mir meine Erfahrungen aus meinem ursprünglichen Beruf: Strukturierung, Planung, Controlling und eine gesunde Portion Sturheit.

© Florian Küttler/Westend61

© Florian Küttler/Westend61

Wie siehst du den Bildermarkt? Jedes Jahr wächst die Branche um mehrere Millionen neuer Bilder. Macht dir das Angst?
Ich habe das Gefühl, mit Westend61 sind meine Bilder gut am Markt platziert und deshalb macht mir das wenig Angst. Lifestylefotografen haben sowieso einen unschätzbaren Vorteil: Es ändern sich ständig die Moden, weshalb der Markt immer nach neuen Bildern giert. Deshalb wird man auch in 50 Jahren noch Bilder brauchen und qualitativ hochwertige Bilder werden sich immer durchsetzen.

Wie sehen deine Pläne für neue Foto-Produktionen in 2015 aus? Hast Du schon die nächsten Shootings in Vorbereitung und kannst Du uns etwas darüber verraten?
Für 2015 habe ich mir vielleicht schon zu viel vorgenommen. Etwas über 20 Produktionen möchte ich gern umsetzen. Darauf freue ich mich sehr. Ich werde zum Besipiel in einer Apotheke produzieren, in einer kreativen und sehr schön eingerichteten Agentur oder einem traditionellen Handwerksbetrieb. Mehr möchte ich aber noch nicht verraten.

Jetzt die letzte Frage: Warum ist Westend61 die richtige Heimat für deine Bilder?
Westend61 = rundumsorglospaketbeimaximalerbetreuung

Lieber Florian, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview mit Florian führte Gerald Staufer, Geschäftsführer von Westend61