„You say that emotions are overrated. But that’s bullshit. Emotions are all we’ve got.“ Mit diesen Worten verabschiedet sich Mick Boyle, also known as Harvey Keitel, von seinem langjährigen Freund Fred Ballinger, dargestellt von Michael Caine, bevor er sich nach der wahrscheinlich größten Enttäuschung seines Lebens vom Balkon stürzt. Ballinger, ein emotional verschlossener Komponist, zeigt, nach circa 110 Minuten Filmgeschehen des 2015 erschienen Films „Ewige Jugend“ von Paolo Sorrentino, zum ersten Mal einen Gefühlsausdruck und ist wohl genau wie der Betrachter völlig perplex.

Glücklich? Selbstverständlich!

Uns geht es wohl zu gut! Wie wollen wir uns sonst erklären, wieso wir positive Gefühle meistens weitaus weniger wahrnehmen als die schlechten. Wenn wir uns mal genauer betrachten, ist es doch einfacher zu sagen, wann wir das letzte Mal richtig traurig, verletzt oder wütend waren, während wir wirkliche Glücksgefühle weitaus weniger wahrnehmen und diese auch nicht so gut in Erinnerung bleiben. Wut und Ärger werden im Normalfall auch schneller von unseren Mitmenschen wahrgenommen, und wir werden darauf angesprochen. Es scheint, als seien diese Zeiten die einschneidenden Erlebnisse des Alltags, auch wenn es doch genau anders herum ist. Da unsere Erwartungshaltung jedoch gen Glück strebt, wird das Wohlbefinden viel schneller als selbstverständlich hingenommen und dadurch auch weniger bemerkt. Getreu dem Motto: Wenn nichts ist, ist‘s gut!

Wunderbare Traurigkeit

An dieser Stelle sei noch gesagt, dass unser Streben nach Glück keinesfalls das Gegenteil der Misere, des Sich-schlecht-Fühlens, ist. Aus Emotionen, die sich nach gesellschaftlicher Definition im negativen Bereich befinden, können wir schließlich Stärke und Hoffnung ziehen. Hier gibt es wertvolle Lehrstunden auf unserem Lebensweg und nachhaltige Erinnerungen. Es ist nicht mal so, dass wir diese Situationen einmal erleben und aus ihnen lernen, und hoffen, sie nicht wieder zu erleben. Auch hier können wir, paradox, wie das Leben nun mal ist, uns eine Zeit lang immer wieder wohlfühlen. Dafür stellt uns die genetische Toolbox die Melancholie zur Verfügung, die, laut dem französischen Schriftsteller Victor-Marie Hugo, das Vergnügen traurig zu sein, darstellt. Einen weitere Erklärung für die Positivität dieser Traurigkeit liefert uns die deutsche Lyrikerin Damaris Wieser: „Warum sehen alle Menschen Melancholie als etwas Schlechtes an? Für mich ist es intensive Zeit, die ich ganz allein mit mir und meiner Seele verbringe.“

Was beeinflusst unsere Gefühle?

Für gewöhnlich denken wir, dass unsere äußeren Umstände und Ereignisse in unserem Leben unsere Gefühlslage beeinflussen. Ein spendierter Kaffee, ein unerwarteter Kuss, aber auch der Verlust eines 10-Euro-Scheins oder die kleine Delle, die wir in das Auto unseres Nachbarn gefahren haben, machen uns gelassen, glücklich, sowie traurig, verzweifelt, and so on. Diese Dinge bestimmen aber nicht die Erzählung unserer eigenen Gefühlswelt, sondern sind kleine Einschnitte, die unser grundsätzliches Lebensgefühl temporär beeinflussen, mal länger, mal kürzer. Fakt ist aber, dass unsere Grundstimmung durch unser Denken beeinflusst wird und nicht durch kurzfristige Effekte.

Ein grundsätzlich glücklicher Mensch kann natürlich mal wütend oder auch traurig sein, Gefühlsschwankungen machen uns ja erst zu kompletten Wesen, aber sobald diese Situationen vergangen sind, kehren wir für gewöhnlich in genau diese Grundstimmungen zurück. Im Umkehrschluss können Menschen mit einem eher negativen Mindset auch Glück empfinden, werden in diesem Zustand aber immer wieder das Haar in der Suppe suchen, um letztendlich in zurück in den einen eher unglücklichen Zustand zurückzukehren. Unsere Gefühlslage ist also hausgemacht, und nur wir selber haben die Zügel in der Hand, um diese zu ändern. Der Schlüssel dazu liegt in unserem Denken. Also, kleiner Rat am Rande: Think positive!