Traue keinem Clown, keiner Hexe und erst recht nicht dem Typen, der wie Michael Myers durch die Straßen zieht. Halloween steht vor der Tür, und bevor der Süßigkeitenverzehr der Kids ansteigt, gehen die Einschaltquoten auf Horrorfilme durch die Decke. Der Feiertag rund um den ausgehöhlten Kürbis ist die Hochzeit für Horror und alles, was uns den Schauer in den Nacken treibt. Völlig klar, dass wir da ein paar schaurig-schöne und mystische Bilder präsentieren. Während wir das tun, wollen wir uns mal der Frage widmen, warum wir uns eigentlich so gerne gruseln.

Girl masquerade with a mask standing on a meadow - MGOF000669

Wie funktioniert Schrecken in unserem Körper

„Komm, wir setzen uns einer Situation aus, die hochgradig unangenehm ist, bei der wir richtig zusammenzucken und nach der wir wahrscheinlich auch nicht besonders ruhig einschlafen werden.“ Klingt zugegeben etwas fragwürdig, aber viele schwören auf Horrorfilme, während andere sich hüten, ihre Gemüter über visuellen und akustischen Unbehagen aufzuwühlen.

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Ein schriller Schrei, unbekannte und unangenehme Geräusche, erst recht, wenn man sie nicht erwartet, versetzen uns instinktiv in einen Schutzmodus. Wir bekommen eine Gänsehaut, und uns schießt Adrenalin durch die Venen, bereit, der Gefahr zu entkommen. Das Angstzentrum in unserem Gehirn setzt all dies in Gang. Sie ist unsere körpereigenen Alarmanlage, die auch schon auf kleinste Reize reagiert. So ducken wir uns schnell genug weg oder machen einen hektischen Schritt zurück, noch bevor eine drohende Kollision mit der heranrauschenden Gefahr identifiziert haben.

Spain, Huesca, young man exploring a dark tunnel - DHCF00164

Erstarren, Fliehen oder Kämpfen, sind die drei Optionen, die unser Unterbewusstsein uns im Umgang mit Angst zur Verfügung stehen. Über einen langsameren Weg wandert das Signal zum sensorischen Kortex, unser Tool für das genauere Erkennen von Gefahren. Von hier aus wird die Verstärkung unserer Reaktion eingeleitet oder die Gefahr als Fehlalarm entlarvt.

Maned wolf in the forest looking inside the cottage gates - CAVF65408

Erst Stress, dann Glück

In einer Sache können sich Liebhaber von Gruselfilmen und solche, die den Horror meiden, einig sein. Angst ist Stress. Situationen, die uns erzittern lassen, die Hände schwitzen und unser Herz klopfen lassen, sind unangenehm. Diese Effekte werden durch chemische Vorgänge in unserem Körper, die in Erwartung von etwas Schlimmen freigesetzt werden, erzeugt. Wenn dieser Effekt abklingt, die Gefahr also gebannt ist, fließt Endorphin durch unsere Körper.

Woman offering Halloween candies, close-up - RTBF000291

Das Wohlfühlhormon besänftigt uns und versetzt uns in eine deutlich angenehmere Stimmung. Man könnte also die Liebhaber von Gruselfilmen als kleine Angst-und-Schrecken-Junkies bezeichnen, was keinesfalls negativ klingen soll. Das einsetzende Glücksgefühl nach dem Schrecken gibt den Kick, der sich immer wieder durch neue Gruselsituationen hervorrufen lässt. Dieses Phänomen lässt sich auch als Angstlust bezeichnen. Sie liefert also die Erklärung auf die Frage, warum wir uns gerne Gruseln?

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