2019: Die Wirtschaft spielt verrückt. Geld ist immer noch das A und O, aber schon lange nicht mehr die einzige Währung, die wirklich zählt. Schon unlängst ist Aufmerksamkeit eines der höchsten Güter, die der Mensch generieren kann. Gerade in der digitalen Welt bedeutet Aufmerksamkeit längere Verweildauer, bedeutet auch mehr Werbung, bedeutet mehr Einnahmen. Zeit ist Geld: Das Sprichwort ist passender denn je. Das führt uns jedoch gezwungenermaßen in ein Dilemma: Während das Aufmerksamkeitsbedürfnis des Einzelnen immer größer wird, wird die Aufmerksamkeitsspanne der Massen immer geringer.
Kaum ein Medium verkörpert dieses Phänomen so stark wie das Social Network Instagram. Wir als Bildagentur sind natürlich dort vertreten und haben bereits in der Vergangenheit unsere Gedanken zum Bildergalerie-Microblog in Szene gesetzt. Das ist nun gerade zwei Jahre her, und es ist es einfach mal wieder an der Zeit für ein update.

Strength in numbers: Und kein Ende in Sicht

Zwei Jahre online: Das ist das schon eine Ewigkeit, und es hat sich natürlich viel getan. Aus 700 Millionen monatlich aktiven Nutzern wurden inzwischen über eine Milliarde. Die Hälfte davon nutzen die App täglich und liken dabei 4,2 Milliarden Mal. Pro Tag laden die Nutzer der App über 100 Millionen Fotos über die App ins Internet. Wir könnten noch ein paar weitere veritable Kennziffern präsentieren, wie zum Beispiel die durchschnittliche Like-Zahl von 1.261 pro Bild, die gefühlt aber nur die wenigsten erreichen, aber um die Sache mit der Aufmerksamkeit zu erklären, sind die oben stehenden Nummern sicherlich ausreichend. Im Wust dieser Zahlen, denen das Medium in Form des Algorithmus versucht, Herr zu werden, konkurrieren Privatpersonen mit Influencern, Unternehmen, Unternehmern und Unternehmerinnen sowie nicht zuletzt Fotografen. Die Frage ist kaum noch: Müssen wir das auch machen, sondern, wie machen wir es richtig, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu erzielen? Eine Frage, auf die viele ausgewiesene und auch nicht ausgewiesen Experten glauben, Antworten zu haben.

Viel hat sich geändert, aber viel ist irgendwie gleich geblieben.

Entgegen unserem Bericht aus 2017 haben sich nicht viele Dinge geändert. Klar, die App ist technisch vorangeschritten und liefert zum Beispiel durch die Einbindung von Stories und Messaging-Tools immer mehr Möglichkeiten, sich selber zu vermarkten. Das ist aber auch der springende Punkt, denn Instagram muss nicht länger als der Geburtstort des Influencer-Marketings erklärt werden, sondern es muss lediglich manchmal noch die Wichtigkeit des Influencer-Marketings für den Marketing-Mix von Unternehmen erklärt werden. Die Plattform ist völlig etabliert.

Zur Lightbox "plandid paare"

Wer 2019 dort nicht präsent ist, der hat sich schon vor langer Zeit abhängen lassen. Nebst des rasanten Aufschwungs der Video-Implementierung, bleibt Instagram zunächst noch das Epizentrum der Bildsprache. Obwohl Video-Content eine Interaktionsrate erzielt, die 38 Prozent über der eines Bildposting rangiert, liegt der Fokus vieler Nutzer weiterhin auf der Ruhe der Bilder. Wen es interessiert, der kann ja mal testen: Guckst du erst auf deinen Feed oder in die Stories? Wir würden uns über Rückmeldungen freuen.

Demokratisierung der Fotografie als Ausdrucksmedium

Oft hört man über Instagram, es sei ein Individualismus-Killer. Viele Fotografien sähen einfach nur gleich aus. Influencer posieren der Reihe nach im Pool auf aufgeblasenen Flamingos oder am griechischen Strand, und reisende Fotografen machen noch mal schnell ein „Follow-me-to“-Foto für die Likes. Diese Phänomene sind nie langfristige Trends, sondern kleine Scharmützel einer Community. Instagram ist zwar ein Business, aber manchmal kann Business eben auch spielerisch aufgefasst werden.
Jedoch kommt es immer wieder dazu, dass über dieses Medium Fotoideen und gar Trends entstehen. So haben wir zuletzt den Plandis-Trend vorgestellt, der seinen Ursprung in einem Instagram-Hashtag (ein Kofferwort aus planned + candid, also gestellt und ehrlich) findet. Instagram ist manchmal als eine Art fotografische Demokratie zu betrachten, gemäß dem Motto: Was vielen Menschen gefällt, sollte man doch als Trend bezeichnen können.

Was denkt sich Westend61?

Vor ein paar Jahren waren die Einwände gegen das Medium noch recht laut: „Die Fotografie wird zerstört“ oder „Jeder meint jetzt, er sei Fotograf“. Inzwischen flachen diese Stimmen aber immer mehr ab. Natürlich kommt es durch das Aufmerksamkeitsbedürfnis des modernen Menschen zu einer Datenkrake an vermeintlich weniger wertiger Fotografie, doch wie oben beschrieben, entscheidet eben die Community darüber, was sie mag und was nicht. Das sollte doch eine Challenge sein, der sich jeder Profi-Fotograf gerne stellen möchte. Allein die Möglichkeiten zur Vermarktung, die das Medium bietet, sollten jeden Profi überzeugen. Während die Risiken des Bildklaus etc., die wir 2017 beschrieben haben, natürlich weiterhin bestehen, überwiegen doch unlängst die Chancen, die das Medium Fotografen bietet.

Wir selber finden auf jeden Fall großen Spaß daran, von den Produktionen unserer Fotografen zu berichten, ihre persönlichen Arbeiten abseits der Einreichungen zu betrachten und über das Medium auch den Kontakt zu ihnen zu pflegen. Instagram bietet neben unserem Blog eine Möglichkeit für Kunden, sich spielerisch durch die Westend61-Bildwelt zu scrollen und sich täglich von den kreativen Bildern unserer Fotografen inspirieren zu lassen. Unser Feed ist ein Spiegelbild der vielfältigen Westend61-Bildkonzepte, die in Zusammenarbeit zwischen unseren Fotografen und unserem Art Department entstehen. Also, wer uns noch nicht folgt, der sollte das jetzt auf jeden Fall mal tun. Über 3.000 andere Bildprofis tun es schon.