Unter dem Hashtag #westend61stayshome sammeln wir in den sozialen Medien Eindrücke aus unserem weltweiten Fotografen-Netzwerk. Wir alle befinden uns zuhause und rücken durch Distanz zusammen. Die entstehenden Eindrücke möchten wir teilen, um auch mit unseren Lesern nahe zu bleiben. Mareen Fischinger aus Köln mit einer Momentaufnahme. Die Familie hat sich inzwischen Testen lassen –  negativ.

Wir sind eine vierköpfige Familie und wohnen in der Kölner Innenstadt, mitten in NRW. 
Weil unser kleiner Sohn Husten und Fieber hatte, hatte ich ihn schon seit dem Mittwoch vor den Schulschließungen zu Hause behalten und auch nicht mehr zur Schule bringen wollen. Ich habe jeden Tag damit gerechnet, ja quasi darauf gewartet, dass die Schulen geschlossen werden. Als meist von Zuhause arbeitende Mutter von zwei Kindern mit einem extern beim Kunden arbeitenden Mann hatten wir schon genügend (sekundäre) Kontakte.



Karneval hatten wir noch mit Bronchitis daheim verbracht und gestaunt, wie sich die Leute unbedarft gebützt (Kölsch: küssen) haben, während die Ansteckungen in Heinsberg massiv zunahmen. Und so ging es dann auch weiter. Beim Kunden meines Mannes arbeitete ein Besucher der Heinsberg-Corona-Karnevalsparty und man wurde angehalten zu Hause zu bleiben. Wir haben in den letzten Wochen hin und wieder vorsichtige Mini-Hamsterkäufe hinter uns gebracht, weil wir uns ja schon auf einige Wochen Nicht-Einkaufen einstellen wollten.



Nebenbei haben wir am Sonntag noch schnell ein Shooting mit Masken (in weiser Voraussicht habe ich einzelne verschiedene schon da gehabt) in den verwaisten Straßen unseres Veedels (Kölsch: Viertel) gemacht. Geschlossene Restaurants, Geschäfte, Warten vor der Apotheke und dem Krankenhaus usw. Wir wissen, dass solche Bilder zum normalen Bild der nächsten Wochen oder Monate gehören werden. Mein Mann und ich fotografieren uns abwechselnd, dann müssen wir keine anderen Kontakte haben.



Unsere infektartigen Symptome sind aktuell unterschiedlich ausgeprägt und wir befinden uns seit Mittwoch, dem 18.3. in einer selbstauferlegten Quarantäne. Die Virologen empfehlen, bei Symptomen selbst eine Quarantäne zu halten. Zum Glück können wir uns in unserer Wohnung einigermaßen aus dem Weg gehen und haben einen wunderschönen Garten. Für den haben wir vorsichtshalber letztens eine riesige Menge einzusetzender Pflanzen erworben, darauf freuen wir uns. Es ist leider so, dass unsere Kinder nicht mit ihren Freunden spielen können.



Die Kinder sind nun also täglich mit uns zu Hause, ich versuche den Großen zum Aufgabenmachen zu bringen und muss immer an das Home-Schooling-Prinzip der USA denken, das ich (noch) nicht einhalten kann. Mein Mann ist in Telefonkonferenzen und rettet die Businesswelt. Wir sind seit heute zum täglich warmen Mittagessen übergegangen, um uns an den Schulrhythmus der Kinder anzupassen, damit sie nicht den ganzen Tag über naschen. Im Tagesablauf machen sie alles Mögliche, dabei versuchen wir, sie nicht zu viele digitale Angebote nutzen zu lassen und holen auch ein paar vergessene Spielzeuge raus.



Mein reguläres Kundengeschäft ist weggefallen, deswegen habe ich zum Glück mehr Zeit für das, was jetzt wichtig ist. Termine bei Modellagentur und andere Verpflichtungen haben wir auf unbestimmte Zeit verschoben, Shoots für Kunden sind ja sowieso abgesagt. Mit der Familie, die auch Ärzte enthält, bleiben wir in digitalem Kontakt. Wir rechnen jeden Tag damit, dass sowieso für alle eine Art Versammlungsverbot ausgesprochen wird, so weit ist es nämlich noch nicht.



Durch meine Bio-Chemiker- und Ärzteverwandtschaft werde ich immer mit den aktuellen Entwicklungen zum Thema Corona konfrontiert. Es wird uns sicher allen bald zum Hals raushängen… Aber ich habe mir für die nächsten Tage noch passende Motive vorgenommen und diverse Materialien im Internet besorgt. Ich kann jetzt einen fachgerechten Abstrich simulieren und auch „forschermäßig“ über das Virus und seinen Aufbau beraten. Die nötigen Arzt-/Forscherarbeitskleidung habe ich sowieso da, weil ich mich auf Medizinfotos spezialisiert habe.