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Gemma Ferrando (32) aus Barcelona gelingt es immer wieder, mit ihren Bildern emotionale Momente einzufangen. Sie schafft diese Intimität, indem sie nahe rangeht an die Menschen. Aber nicht nur sie. Ein Teil der Bilder stammt von ihrem Partner Jérémie Roman. Zusammen sind sie das Studio in the Wild. Ihr Studio ist draußen. Es ist die Welt, die sie oft bereisen und die sie so abbilden, wie sie sie sehen. Eine Welt, die wunderschön ist und die wir gerne und erfolgreich vermarkten.

Liebe Gemma, wie bist du zum Fotografieren gekommen?
Hallo Gerald! Nun ja, ich begann mit der Fotografie durch das Reisen. Als ich klein war, da bin ich oft mit meinen Eltern verreist und ich fing an, eine alte analoge Spiegelreflexkamera von meinem Vater zu benutzen, um meine Erinnerungen von der Welt aufzubewahren.
Ein paar Jahre später studierte ich audiovisuelle Kommunikation an der Universität, ein Studiengang, der viele Bereiche beinhaltete, die mich interessierten wie Fotografie, Fernsehen und Kino. Dort entdeckte ich auch zum ersten Mal Bearbeitungsprogramme für Fotos und Videos. Das war 2005, zu der Zeit, als ich mir meine erste digitale Spiegelreflexkamera besorgte und seitdem bin ich mit der Fotografie für immer verbunden.

Wie würdest du deinen Bildstil beschreiben?
Um ehrlich zu sein, denke ich nicht viel über meinen Stil nach. Ich glaube, sowas sieht man als Außenstehender besser. Mir fehlt dafür die Perspektive!
Ich arbeite sehr intuitiv und am Ende ist unser Portfolio eine Abbildung unseres Lebens. Ich denke, es sind sehr lebendige Bilder von dem, was uns gefällt und von dem, was wir tun. Reisen, Tiere und Portraits, die besonders viele Emotionen rüberbringen. Das beste Kompliment, das man einem von uns uns machen kann, ist: Deine Bilder machen Lust auf Reisen!
Im Studio arbeite ich fast nie, wir fotografieren immer draußen an unterschiedlichen Plätzen. Daher auch unser Name, den wir kürzlich neu eingeführt haben: Studio in the Wild. Wir setzen natürliches Licht ein und versuchen einfache Szenarien abzubilden – indoor wie outdoor, die bis auf eine Kamera und vielleicht einen Reflektor nicht viel technische Infrastruktur brauchen.

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© Gemma Ferrando/Westend61

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© Gemma Ferrando/Westend61

Obwohl wir zukünftig mehr mit Models zusammen arbeiten wollen, mögen wir es, Menschen abzubilden, die wir kennen und mit denen wir eine Beziehung haben. Auf unseren Bildern sind viele Freunde und Familienangehörige zu sehen, weil wir authentische und reale Sachen zeigen wollen. Das echte Leben von echten Menschen. Wir sind nicht alle Topmodels! Aber wir vermitteln auf diese Weise Konzepte und Emotionen vielleicht sogar unverfälschter.

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© Gemma Ferrando/Westend61


Wie lange fotografierst du schon für Bildagenturen und wie kamst du auf die Idee, das zu machen?

Also ich habe die Stockfotografie im Jahr 2011 entdeckt, als eine amerikanische Agentur auf meine Bilder bei Flickr aufmerksam wurde. Die ersten Jahre waren eher ein Experiment, aber in dem Maße, in dem sich meine Fotografie entwickelte, habe ich auch das Potential der Stockfotografie erkannt. Insbesondere die große kreative Freiheit, die der Fotograf dabei genießt.

Ist Fotografieren deine Haupteinkommensquelle oder hast du noch einen anderen Beruf?
Fotografie ist zur Zeit eine wichtige Einnahmenquelle für mich, aber es ist nicht die einzige. Ich arbeite auch noch an „New Media“-Projekten für einen Fernsehsender.

Du bist viel unterwegs. Letztes Jahr haben wir Bilder aus Italien, Peru und Namibia von dir bekommen. Könnt ihr mit dem Einkommen aus der Stockfotografie euere Reisen finanzieren?
Na ja, wir versuchen es! Manche Reisen refinanzieren sich besser als andere, was wohl mit den unterschiedlichen Reisezielen zu tun hat, aber es ist eindeutig eine Extra-Motivation, um zu fotografieren. Obwohl die Finanzierung der Reisen zu zweit ein bisschen kompliziert ist, verreisen wir individuell und verzichten auf Luxus. Das hilft.

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© Gemma Ferrando/Westend61

Die Reisen sind eine langfristige Investition, die sie erst sich im Laufe der Zeit rentieren. Aber die Erfahrungen sind spontan und das ist unbezahlbar!

Deine Bilder sind sehr authentisch. Das liegt unter anderem daran, dass oft du oder dein Lebensgefährte auf den Bildern zu sehen ist. Habt ihr einen konkreten Plan bevor ihr auf Reisen geht oder entstehen die Bilder eher spontan?
Bevor wir verreisen, schauen wir uns Bilder der Gegend an, die wir besuchen werden, um uns eine Vorstellung davon zu machen, was wir vorfinden werden. Insbesondere um die Reisepläne so zu gestalten, dass wir die besten Lichtbedingungen für jeden Ort haben, aber wir halten uns nicht sklavisch daran. Unsere Reisebilder sind sehr spontan. Man hat immer bestimmte Motive im Kopf, aber die Ideen kommen uns oft vor Ort.

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© Gemma Ferrando/Westend61

Wenn wir in Barcelona shooten, dann planen wir mehr und arbeiten mit einem Storyboard als Leitfaden. Trotzdem improvisieren wir da auch gerne!

Ich habe den Eindruck, du hast das Wesen der Stockfotografie sehr gut begriffen. Dein Portfolio zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Themen aus. Inwiefern sind wir als Agentur Inspirationsquelle für dich?
Die Wahrheit ist, dass ein wichtiger Teil meines Portfolios durch die Anregungen der Agentur beeinflusst ist.
Westend61 ist eine große Inspirationsquelle. Sie schlagen ihren Fotografen regelmäßig Ideen für Shootings vor und man kann sich auch beraten lassen, auf welche Schwerpunkte man sich fokussieren sollte. Das ist sehr gut für den Fotografen, weil er dadurch ständig aktiv bleibt, über neue Shootings nachdenkt aber insbesondere, weil er einen Leitfaden für die erfolgreiche Umsetzung erhält.
Bevor wir zum Beispiel nach Peru, Bolivien und Chile verreist sind, habe ich mit meiner Editorin, die mich betreut, darüber gesprochen. Viele der Bilder, die auf der Reise entstanden sind, sind beeinflusst durch die Gespräche und den Gedankenaustausch mit ihr. Man sieht es an den Bildern, aber erfreulicherweise auch an den Umsätzen!

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© Gemma Ferrando/Westend61

Fotografierst du auch mit dem Smartphone?
Natürlich! Es ist die beste Art und Weise eine Kamera ständig bei sich zu haben. Außerdem bin ich mit der technischen Qualität der letzten Smartphonegeneration sehr zufrieden.
Erst seit kurzem lade ich diese Bilder bei Westend61 hoch, aber ich werde es in Zukunft viel öfter machen. Es sind andere Bilder, als die, die ich mit der Spiegelreflexkamera mache. Sie sind spontaner, zeigen eher das Alltägliche, die Details, die ich interessant finde … und die Bearbeitung ist flexibler und kreativer. Ich liebe das!

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© Gemma Ferrando/Westend61

Welches ist dein Lieblingsbild in eurem Portfolio bei uns und warum?
Das ist eine schwierige Frage! Da fast alle unsere Bilder das echte Leben widerspiegeln, gibt es eine emotionale Verbindung mit ihnen, die auch manchmal sehr besonders ist. Ich erinnere mich, wann wir sie gemacht haben, die Gefühle und Emotionen des Moments…

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© Gemma Ferrando/Westend61

Ich glaube einer meiner großen Favoriten ist ein Sonnenuntergang in Florenz. Die Aufnahme hat Jérémie – die andere Hälfte von Studio in the wild – auf der Ponte Santa Trinita geschossen. Es gab einen wunderschönen Sonnenuntergang. Ich glaube, das Bild atmet die Romantik von Florenz, den alten Zauber der Stadt – mit den Häuschen am Flussufer, die sich im Wasser spiegeln, einem kleinen Schiff und diesem spektakulären Licht in Italien. Während ich dir das erzähle… zaubert sich ein Lächeln in mein Gesicht und ich kann sogar fast die Sonnenstrahlen auf meiner Haut spüren! Es ist eines meiner Lieblingsbilder, keine Frage! Aber wir haben viele Bilder dort gemacht und ich mag sie alle.

Was planst du für 2016, auf welche Themen können wir uns freuen?
In 2016 wollen wir noch ein bisschen mehr verreisen! Wir wissen noch nicht ganz genau wohin, aber ich kann euch schon mal verraten, dass vor dem Sommer Bilder aus Fuerteventura, Budapest und Paris kommen werden.
Außerdem möchte ich mehr Bilder von Barcelona und Umgebung machen. Sowohl Reisebilder als auch mediterranen Lifestyle. Ich habe bemerkt, dass ich zum Beispiel mehr Bilder aus Chile habe als aus meiner eigenen Stadt. Das darf nicht sein! Das muss korrigiert werden.

Was macht aus deiner Sicht einen guten Stockfotografen aus? Was würdest du Neueinsteigern empfehlen?
Naja, es ist schwer, Empfehlungen zu geben, wenn man selber noch am Lernen ist! Und außerdem, jeder Fotograf ist eine andere Welt…
Für mich sind zwei Dinge wichtig: Bilder zu machen, die einem selbst gefallen und Konstanz. Es ist kein Geheimnis, dass kommerziell erfolgreiche Bilder ein Konzept transportieren. Für die Stockfotografie ist das sicher die wichtigste Bedingung. Aber, wenn Du immer nur danach suchst, dann wirst Du Dich wahrscheinlich schnell langweilen …
Für mich ist es wichtig, dass ich meine Bilder genieße, dass sie mir gefallen und dass ich eine schöne Zeit beim Fotografieren habe. Wenn sich die Fotografie nur zu einer Arbeit entwickelt, bei der es das wichtigste ist, zu produzieren, dann wird sie mechanisch und verliert ihren Zauber.

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© Gemma Ferrando/Westend61

Für mich ist es wichtig, meine Unbefangenheit zu bewahren und mich nicht total darauf zu versteifen, das zu produzieren, was „sich am besten verkauft“ oder was auf der Liste steht. Am Anfang ist besonders die Konstanz eine wichtige Grundlage, um nicht enttäuscht zu sein, wenn die Ergebnisse nicht so schnell kommen, die man das erwartet. Stock ist oft ein langfristiges Rennen.
Aber gut, das sind eher meine eigenen Gedanken als Empfehlungen.

Kommen wir zur letzten Frage: Warum ist Westend61 die richtige Heimat für deine Bilder?
Naja, aus vielen Gründen!
Insbesondere, weil ich weiß, dass ihr gut auf die Bilder achtet und hart dafür arbeitet, sie optimal auf dem Markt zu platzieren.
Westend61 hat ein großartiges Team. Sehr talentiert, sehr effizient und insbesondere sehr nahe am Fotografen. Du fühlst Dich nie wie eine Nummer bei Westend61 und das ist sehr erfreulich. Der Kontakt ist immer sehr persönlich und man kann über Trends sprechen, Fragen stellen und das hilft Dir ungemein als Fotograf zu wachsen.
Ich fotografiere auch für andere Agenturen, aber in keiner fühle ich mich so wohl wie bei Westend61! Es ist eine wahre Freude mit euch zusammenzuarbeiten!

Liebe Gemma, vielen Dank für das Gespräch!

#Takeover
Für alle, die gerne mehr von Gemma sehen und lesen möchten: Sie wird von Montag, den 08.02. 2016 bis Samstag, den 13.02. 2016 unseren Instagram Account übernehmen.