Schnell, komplex, schwankend: Keine Attribute, die für das Sicherheitsdenken des Menschen sprechen, und dennoch sind dies die aktuellen Eckpfeiler, auf denen die moderne Gesellschaft gebaut ist. Damit wir den Anschluss nicht verpassen, geben wir in einer vernetzten Welt immer mehr von unseren Sicherheiten ab. Wir tauschen das Streben nach Geborgenheit und Angstfreiheit gegen den Wunsch, dabei zu sein. Das Ticket für die Achterbahn in der digitalisierten Welt ist gelöst.
In den Großstädten begeben wir uns gerne, der Digitalisierung sei Dank, fein vernetzt und anonym, auf die Suche nach Anerkennung und Liebe (heute schon geparshipt?). Fast schon paradox: Wir versuchen, permanent unsere menschlichen Grundbedürfnisse zu stillen, und immer ist kurzfristig im Blick die mögliche bessere Alternative, das ist eine Art selbstverschuldeter Stress. Summa summarum: Wir stabilisieren dabei unsere eigene Instabilität.

Starke Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit

Wie also können wir unser so wichtiges Schutzbedürfnis in der heutigen Zeit befriedigen? Ganz einfach: Indem wir uns auf unsere elementaren Stärken als Mensch besinnen und miteinander (harmonisch) kollaborieren. Im Zusammenschluss mit Gleichgesinnten finden wir Geborgenheit, die uns Freundschaften, Liebe und Fürsorge bescheren. Das Entwickeln eines sozialen Miteinanders ist der mächtige Anker, der uns im vermeintlich drohenden Chaos stabil halten wird. Für die starke soziale Gemeinschaft bringt jede/jeder etwas ein, zum Beispiel so schöne Werte wie Empathie und Kreativität. Wir sind bereit: Wir stellen das Co-Prinzip vor!

Co-Living: gemeinsam gegen einsam

Der Mensch ist nicht für die Einsamkeit gemacht. In seinem Dasein als soziales Wesen belastet ihn das Alleinsein, psychisch, aber auch körperlich. Wir unterscheiden zwischen emotionaler und sozialer Einsamkeit. Während die emotionale Einsamkeit das Fehlen eines Vertrauten oder Partners beschreibt, versteht man beim Begriff der sozialen Einsamkeit das Fehlen sozialer menschlicher Verbindungen. Die smarte Lösung des Problems ist das Co-Living. Kommt ein neues Comeback? Es wäre die Wohngemeinschaft 2.0.
Co-Living ist ein bewusster Zusammenschluss einer Interessengemeinschaft unter einem Dach. Die Motive sind vielseitig: Lust auf Gesellschaft around the clock oder einfach mal ein nettes Get-Together beim geselligen Abendessen. Weitere Faktoren sind Nächstenliebe, übereinstimmende Hobbys oder spezielle moralisch-ethische Einstellungen, wie zum Beispiel der Wunsch nach einem nachhaltigen Lebensstil.
Aktuell, gerade in Verbindung mit der Landflucht in unserer Gesellschaft, liegen die Gründe für das Co-Living oftmals im Mangel an Wohnraum, an explodierenden Mieten und dem Drang nach Sparen auf das Eigenheim, sowie dem wachsenden Desinteresse an einer langfristigen örtlichen Bindung. Letzteres ist auch so ein Phänomen unserer Zeit: Auf der einen Seite gibt es den Wunsch nach Gesellschaft, auf der anderen Seite macht man sich Sorgen um die real existierenden Vorzüge der Unabhängigkeit.

Co-Working: interdisziplinär und bilateral

Ein weiteres Kind unserer Zeit ist der Drang, sich selbst zu verwirklichen und sein eigener Herr zu sein. Noch nie gab es so viele Selbstständige wie heute. Gerade in der Kreativbranche, so bei der Fotoproduktion, überwiegen immer mehr flexible Arbeitsmodelle. Co-Working-Spaces liefern der Schar an Freiberuflern nicht nur ein Zuhause, sondern sorgen zudem für ein äußerst kreatives Umfeld, sei es räumlich, sei es sozial. Designer sitzen neben Architekten, arbeiten neben Producern, oder Textern. So bilden sich permanent kleinste kreative Konglomerate, deren Lebenszeit meist auf Dauer beschränkt, jedoch häufig sehr konstruktiv ist. In diesen scheinbar unstetigen Beziehungen finden wir immer wieder Bausteine für eine wiederkehrende Zusammenarbeit oder eine langfristige soziale Bindung.

Co-Operating: gemeinsam kreieren

Die Kooperation ist ein bewusster Zusammenschluss zumindest zweier Parteien, Menschen oder Unternehmen, zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels. Das kann geschehen bei der Kreation eines neuen Schuhs, zwischen einem Schuhhersteller und einem externen Designer oder auch im größeren Stil realisiert werden beim Zusammenschluss verschiedener Unternehmen, wie zum Beispiel bei Fluggesellschaften, die effektiver und zielgerichteter arbeiten möchten. Dabei entstehen Synergien zwischen den beteiligten Parteien, die einander spirituell, kreativ oder einfach logisch befruchten und somit zum Austausch von Expertisen führen. Somit wird in einem sozialen System gearbeitet, welches in Wechselwirkung zu Sicherheit führt.

Co-Activity: die Kraft der Gruppendynamik

Wo immer Menschen mit ähnlichen Interessen aufeinandertreffen, kommt es zu gemeinsamen Aktivitäten: in Sachen Health & Fitness etwa, oder man pflegt miteinander die Leidenschaft für Musik, ja, vielleicht werden auch neue nachhaltige Lebensstile getestet. Dinge zusammen zu erleben, ist wohl der größte und schnellste Treiber zur Steigerung unseres Wir-Gefühls. Das Besondere an diesen Zusammenschlüssen ist oftmals die Unabhängigkeit von sozialem Status und Herkunft. Menschen gehen ihren Interessen im Kollektiv nach. Wir erfahren hier die starke Emotion, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Sicherlich ist es auch einfach ein gutes Gefühl, nicht nur an sich selbst zu denken.

Das Co-Prinzip in der Fotografie

Unsere Verkaufsstatistiken sprechen eine deutliche Sprache: Gruppen-Motive verkaufen sich öfter und weisen einen verlängerten Lebenszyklus im Stock-Markt auf. Ausgehend von Business-Produktionen, hat sich das Co-Prinzip auch in die Lifestyle-Ecke eingeschlichen. Das Wir-Gefühl wird nicht länger nur von Familienbildern transportiert, sondern Zusammenschlüsse von Menschen jeglicher Herkunft und Hintergrunds finden in wunderbaren Produktionen zusammen und verkörpern eine der wichtigsten Botschaften, die Fotografie transportieren kann: Du bist nicht allein!