Ich habe Kike Arnaiz (26) letztes Jahr in Barcelona, bei einem gemeinsamen Shooting, getroffen. Damals haben wir unser erstes Interview geführt, per VideoEr ist ein sehr talentierter Fotograf aus Spanien, der sich im Laufe seiner Karriere dazu entschieden hat, sein Lebensunterhalt mit der Reisefotografie zu verdienen – quasi als Foto-Nomade.

Kike hat durch Instagram eine ziemlich hohe Bekanntheit erlangt. Er präsentiert dort vor allem Fotos aus der Fashion-Welt. Vor seiner Entscheidung, nach Europa zurückzukehren und eine Karriere in der Stockfotografie anzustreben, war er als Fashion-Fotograf in New York tätig.
In einem seiner jüngeren Projekte begleitete er eine Gruppe Freunde, die quer durch Lapland, Richtung Nordkapp reisen. Ich finde diese Bilder sehr authentisch und habe mich direkt in sie verliebt. Man kann wirklich fühlen, wieviel Spaß die Gruppe gehabt haben muss. Sie haben ein fantastisches Abenteuer hinter sich. Grund genug, dass ich Kike genauer zu dieser Reiseproduktion befragen wollte.

Giorgio: Hi Kike, würdest du uns bitte einmal schildern, was es mit dieser Reise auf sich hatte?

Kike: Klar! Im vergangenen Januar sah ich eine Instagram Story, in der einfach gefragt wurde: „Wer möchte diesen Sommer mit uns quer durch Lappland reisen?“ Ich musste gar nicht darüber nachdenken und fragte direkt, ob ich mit dabei sein könnte. Es war eine fünfköpfige Gruppe, die nach der sechsten Person gesucht hat. Einen von ihnen kannte ich bereits – Rubén, mit dem ich schon gemeinsame Trips nach Dänemark und Island gemacht habe. Die anderen kannte ich nicht. Wäre die Reise chaotisch geworden, hätte ich mich also sicherlich nicht wundern müssen bei so vielen leuten, die ich nicht kannte.

Die Gruppe verbrachte das ganze Jahr mit der Planung des Trips. Da ich nicht in Madrid lebe wie die anderen, habe ich die Gruppe zum ersten Mal am Flughafen getroffen. Ich kann vorweg schon sagen, dass es eine großartige Reise wurde und wir gute Freunde geworden sind. In zwei Wochen haben wir alles geteilt – unglaubliche Momente, Landschaften und Abenteuer. Wir campten in Schweden, Norwegen und Finnland, haben unter freiem Himmel geschlafen und saßen gemeinsam in der Sauna, nachdem wir in kalten Seen geschwommen sind. Diese Erlebnisse bringen Menschen einander näher. Wir haben unsere Gefühle und Ängste miteinander geteilt, haben gemeinsam geweint und gelacht. Wir haben uns sogar alle ein Tattoo stechen lassen, um eine gemeinsame Erinnerung zu haben – verrückt!

Giorgio: Es wirkt, als seien die Bilder nicht gestellt!

Kike: Das ist genau das, was ich mit meiner Fotografie erreichen will. Aus diesem Grunde sind viele meiner Bilder weniger kommerziell. Ich habe einfach wenige Konzepte für Shootings, sondern lasse den Dingen freien Lauf und halte dann mit der Kamera drauf.

Bei diesem Trip hat das sehr gut funktioniert, denn wir haben viele verschiedene Dinge gemacht und im Moment gelebt. Es war ja auch nicht als Produktionstrip gedacht, aber ich hatte vorab die Gruppe gefragt, ob sie mir die Rechte an den Bildern übertragen. Alle waren einverstanden. Und so sind Momente und alle Emotionen in diesen Bildern echt.

Die Kehrseite: Bei der Bildbearbeitung mussten viele Logos von der Kleidung und dem restlichen Equipment entfernt werden. Da war ganz schön viel zu tun.

Giorgio: Du hast auch ein kurzes Video von dem Trip gemacht. Wo kann man es sehen? 

Kike: Ich habe einen Youtube-Kanal, auf dem ich immer wieder Videos meiner Reisen veröffentliche. Normalerweise zeige ich einfach die Orte, an denen ich bin und erzähle selber etwas über die Reise. Dieses mal habe ich etwas Neues ausprobiert. Natalia, die mit dabei war, hat im Van immer wieder etwas geschrieben und ich habe sie gefragt, ob sie nicht etwas für den Film verfassen kann. Wir hören also ihre Stimme und ihre Gedanken zu unserer Reise!

Giorgio: Ich bin eurem Trip auf Instagram gefolgt, quasi in Echtzeit. Mit fiel dabei auf, dass du mit vielen talentierten Fotografen unterwegs warst. Wir haben nach unserem Gespräch einigen davon einen Fotografen-Vertrag anzubieten. Eines der besten Bilder haben wir von Rubén erhalten – ein Porträt von dir. Sag uns, wo ihr dort gerade wart und warum du kein Shirt trägst?

Kike: In der nördlichen Hemisphäre gibt es im Sommer kaum Dunkelheit. Wir wollten jeden Sonnenauf und -untergang zu sehen. So kamen wir immer erst so ca. gegen 3 oder 4 Uhr morgens ins Bett. Dieses Foto zeigt mich nach einem magischen Sonnenaufgang auf dem Dach eines Fischerhauses. Ich trage kein Shirt, da ich eigentlich meinen Pyjama getragen habe. Ich bin so müde gewesen, dass mir nicht einmal kalt war. Naja, mein Bart hält mich schön warm 😉

Giorgio: Wo zieht es dich als nächstes hin?

Kike: Erstmal fliege ich nach Litauen und verbringe einen Monat im Baltikum. Danach geht es fin die USA. Wenn ein Westend61-Fotograf an einem US-Road Trip interessiert ist, sollte er oder sie mich unbedingt kontaktieren. Ab Mitte Oktober geht es los.

Giorgio: Kike vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir freuen uns jetzt noch mehr auf viele weitere Bilder von dir.

Kike: Gerne Giorgio. Vielen Dank für das Interview und das ihr unser Abenteuer mit euren Lesern teilt.

Alle Bilder des Trips findet ihr hier in unserem Webshop.