Wir haben in der Redaktion schon ein wenig gegrübelt: Schreiben wir etwas zum Welt-Vegetariertag oder lieber nicht? Können wir sagen, was wir denken, sind wir überhaupt alle einer Meinung, oder treten wir uns gegenseitig und unseren Lesern auf die Füße? Fakt ist, heute ist Welt-Vegetariertag und zwar schon in der 42. Ausgabe.

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Am 1. Oktober 1977 postulierte die Dort American Vegetarian Society diesen fleischlosen Feiertag. Ein erster Anflug von Ironie mag den einen oder anderen Leser nun ergreifen. Die Zielsetzung lautet erst mal ganz einfach, auf den positiven gesundheitlichen und umweltlichen Aspekt des Vegetarismus aufmerksam zu machen und Menschen zu motivieren, vegetarisch zu leben, auch wenn es nur für einen Tag ist. Dafür setzten sich über die Jahre immer mehr Initiativen und Verbände ein. Mit einem Nischenfeiertag haben wir es also nicht zu tun.

Young woman cleaning fresh tarragon - ALBF00441

Ein Lieblingsargument: „Ich esse ja auch ganz wenig Fleisch“

Warum haben wir uns vorab so viele Gedanken gemacht? Unser Büro ist mit Vertretern des Vegetarismus, Veganismus und Karnismus gespickt, und ja, wir leben in einem ökologisch korrekten Einklang. Daher haben wir uns auch entschieden, hierzu ein paar Wörtchen loszuwerden. Gerade die Vegetarier und Veganer unter uns kennen das. Aus irgendeinem Grunde kommen wir immer auf das Thema. Sei es im Restaurant, wenn die Zutatenliste eines bestimmten Gerichts hinterfragt wird, oder wenn etwas gereicht und angeboten wird, das nicht der eigenen Ernährungsphilosophie entspricht und man dankend ablehnt. Die Rückmeldung von Fleischliebhabern kommt zumeist prompt und beinhaltet, man esse ja auch inzwischen ganz selten Fleisch – als sei es grundsätzlich etwas Schlechtes.

Man holding freshly picked carrot - FSIF00657

An diesem Punkt müssen wir einmal ganz sanft trennen: Natürlich gibt es Vegetarier und Veganer, die ihre Ansichten lautstark vertreten und jedem Nichtgleichgesinnten direkt eine Linkliste an Worst-Case-Massentierhaltung-Videos in die Inbox feuern. Demgegenüber stehen Menschen, die sich grundsätzlich provoziert fühlen, wenn jemand kein Fleisch isst, quasi im Moral-Modus „Ich mache das, was du nicht machst, denn es ist ja schlecht.“

Woman holding basket with fresh vegetables - VABF00904

Es ist aber auch nicht die Aufgabe eines jeden Fleischverweigerers, seine Umgebung zu bekehren und das muss in den Köpfen beider Parteien klar sein. Am Ende zählt der faire Dialog und die Beweggründe so zu sein, wie man ist. Es braucht Respekt vor der Meinung des Gegenübers. Uns ist schon klar, dass wir in gewisser Weise gerade mit einer Fackel auf einem Pulverfass herumtanzen.

Wir begrüßen eine neue Sorte von Consumern: Umwelt-Öko-Flexetarier

Es ist also irgendwie ein ganz unangenehmes Thema. Essen hat etwas mit Persönlichkeit zu tun und wenn man dafür dann bewertet wird oder gar einen Vorwurf bekommt, kann das schnell mal verletzen oder in die Defensive treiben.

young girl spreading vegetarian grill skewers with Argentinian chimichurri - SARF03933

Am Weltvegetariertag möchten wir dennoch die Fahne für eine zumindest temporär fleischlose Ernährung schwingen. Denn Fakt ist, dass übermäßiger und billiger Fleischkonsum ein großes Thema im Umwelt-schutz ist. Hoher Wasserverbrauch und Treibhausgasemissionen bedeuten starke klimaschädliche Folgen, verursacht durch die industrielle Landwirtschaft. Dass die Reduzierung dieser eine Verbesserung der Gesamtsituation nach sich zieht, ist für uns eine ähnlich komplizierte Rechnung wie eins plus eins!

Young woman holding pan with vegan pasta dish - VABF01185

Einstimmig sind wir der Meinung, dass Fleischesser und Verweigerer in gleichem Maße für die Verbesserung des Status quo zuständig sind. Es muss nicht komplett auf Fleisch verzichtet werden, das kann jeder für sich selber entscheiden. Es geht hier um die Frage, an wie viele Stellschrauben für den Change wir Hand anlegen müssen.

In der Beschränkung liegt die Meisterschaft (Goethe): Weniger isst mehr!

Nach den einfachsten ökonomischen Regeln bestimmt die Nachfrage den Markt. Wer auf Fleisch aus Massentierhaltung verzichtet, der leistet einen Beitrag. Das ist Fakt. Die Schwierigkeit liegt in diesem Falle daran, dass hier nicht mit dem Finger auf Politiker und Unternehmen gezeigt werden kann, sondern hier entsteht Fortschritt, wenn das Individuum seine Einstellung ändert.

Close-up of man's hands taking picture of avocado salad with smartphone - KIJF01417
Das ist schon so ein kleiner erhobener Zeigefinger von uns, es sei aber gesagt, dass man nicht an allen Fronten kämpfen kann. Jemand der Fleisch bewusst genießt, muss nicht ein minderer Klimaschützer als Vegetarier und Veganer sein. Es gibt unzählige Möglichkeiten, einen Unterschied zu machen, sei er auch noch so klein.

So weit unsere, wie wir hoffen geglückte Animation für den Welt-Vegetariertag. Guten Appetit!!!

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