Neues Jahr, neue Trends: Egal, ob in der Mode, im Marketing und nicht zuletzt auch in der Küche, alles befindet sich im rasanten Fluss. Die Esskultur ist weitaus älter als Mode und Marketing, vielleicht kann sie deshalb ständig mit neuen Begrifflichkeiten aufwarten, zum Beispiel mit Healthy Hedonism, Ugly Food und Transparency. Kluge Frage: Sind das wirkliche Innovationen oder einfach nur neuer Wein in alten Schläuchen? Und wie nehmen diese Trends in der Food-Branche überhaupt Einfluss auf die Stockphotographie?

Ein Traumpaar: Transparency meets Hidden Vegetables

Ernährung ist über das letzte Jahrzehnt immer mehr zu einem Lifestyle-Indikator geworden. 2019, und dazu muss man kein Prophet sein, macht es wie seine Vorgängerjahre, nämlich Grundsätze in die grüne öffentliche Wahrnehmung zu pflanzen und somit die Food-Kultur weiter zu formen. In einer Zeit, in der Wissenschaft und Ernährung immer häufiger in einem Satz genannt werden und wir Quarkspeisen ohne tierische Zusätze verkosten, verlangt der Konsument nach mehr Transparenz. Sie wollen ihre Informationen nicht mehr umständlich aus den Regalen im Supermarkt ziehen, sondern möchten Aufklärung automatisch und schnell durch die Hersteller haben (Kurzer Ausflug ins Marketing: schreit nach Brand Engagement, nicht wahr?). Konsumenten wollen dem Hersteller vertrauen, denn Gesundheit und auch Nachhaltigkeit liegen dem anspruchsvollen Foodie am Herzen.

Sinnbildlich konträr, aber doch einhergehend mit Transparenz: Hidden Vegetables ist ein Konzept, den vor allem Eltern, aber auch Fitness-Aficionados mit Begeisterung begrüßen sollten. Das Konzept basiert darauf, kalorienreiche Zutaten zu reduzieren, um gleichzeitig den Gemüseanteil einer Mahlzeit zu erhöhen: Unser inneres Kind (was waren das für Zeiten mit jeder Menge Cheeseburgern und, gefühlt, Litern Ketchup) bricht in einen Schreikrampf aus. So werden uns in Zukunft mehr Pizzaböden auf Gemüsebasis und Muffins voll Zucchini von der heimischen Speisekarte grüßen. Kinder sind für gewöhnlich gerissen, aber Eltern eben manchmal smarter.

Schwer im Kommen: Ugly Food und Healthy Hedonism

Das gesteigerte Bewusstsein für Nachhaltigkeit macht auch vor der Küche keinen Halt, und wir verbannen Convenience Food und Jet-Lag-Avocados immer mehr von unserem Speiseplan. Nachhaltigkeit bringt uns 2019 zwangsläufig zu Ugly Food, klingt so gar nicht nach Traumpaar. Essen und Ekel in einem Satz, das kann selten gut gehen, aber wir sprechen nicht von polarisierenden Käfer-Snacks, sondern schlichtweg von unschönen Auberginen. Was für Bauern und Markthändler schon längst normal ist, wird auch in der Industrie Einzug erhalten. Wurden früher der hässliche Lauch gern mal aussortiert, so kann es passieren, dass die Tomate im Supermarkt mal nicht so instagram-appetitlich aussieht, aber die schöne Tomate ist kein bisschen gesünder. Foodwaste zu reduzieren, ist ein wichtiges Thema für den Planeten, also greift man nun auch gerne zu den krummen Karotten.

Ernährung war in den letzten Jahren auch zunehmend von Askese bestimmt. Hauptsache gesund, gesund, gesund. Schmeckt nicht? Nicht so wild. Gesunde Ernährung und Genuss, für viele eine Verbindung mit Schwierigkeiten. Auftritt Hedonisten: Wir machen Ernährung wieder sexy. Wieder so ein Lifestyle-Ding: Healthy Hedonism bezieht sich auf viele Ernährungskonzepte und baut so die perfekte Symbiose aus Genuss und gesunder Ernährung auf: Slow Food, Ernährungswissenschaften und Flexitarismus werden hier in denselben Topf geworfen. Eine gute Mischung und fertig ist der Trend.

Das Jahr 2019: die große Karriere der Jackfruit

Bei all den Konzepten, Philosophien und Ideen vom neuen Essen, verliert man schnell den Blick auf das Wesentliche. Was kommt denn nun eigentlich auf den Teller. Trendforscher, Foodblogger und die Lebensmittelindustrie sind sich da sicherlich nicht einig, denn es gibt eine Vielzahl von Berichten, die von unterschiedlichen Trends berichten. Wiederkehrend sind besonders Lebensmittel und Gewürze aus Asien und Ozeanien und tropische Obstsorten wie Drachenfrucht, Guave und Passionsfrucht, die unsere Teller und Gläser erobern. Die Cuisine Sri Lankas und auch die Küche Myanmars sind auf dem Vormarsch: Der asiatisch-indische Food-Boom hält also weiter an, der Plant Based Alternative-Trend ebenso. So wird zum Beispiel die Jackfruit, die Frucht des Jackfruchtbaums, immer häufiger als Alternative zu Fleisch eingesetzt. Das ist schon seit ein paar Jahren so, aber in diesem Jahr werden wir noch häufiger die vegetarische Pulled-Beef-Alternative auf der Speisekarte entdecken.

Food-Fotografie generiert die größte Speisekarte der Welt

Food-Fotografie wird sicher immer auf die liebevolle Darstellung von Lebensmitteln fokussieren. Allein die Popularität auf Instagram steigt weiterhin ins Unermessliche. Doch es geht hier nicht um die reine Ästhetik. Gesunder Genuss sowie die gesteigerte Achtsamkeit für den Umgang mit unseren Ressourcen sind und bleiben zwei bestimmende Bestandteile unseres Speiseplans. Nachhaltigkeit und Natürlichkeit sollen sich auch in der Fotografie wiederfinden.

Diese Themen lassen sich nicht anhand von Pasta darstellen, die unter Einsatz von Haarspray perfekt auf den Teller drapiert wurden. Vielmehr bringen sie mehr Lifestyle und Dokumentation in die klassische Food-Fotografie. Wir sehen Menschen gemeinsam am Tisch, die die Freude am Foodie-Lifestyle teilen. Wir reisen an die Herkunftsorte der Speisen, die gerade en vogue sind, und dorthin, wo sie letztendlich verzehrt werden.

Man könnte sagen, die Food-Fotografie schaut über den Tellerrand hinaus, entfernt sich ein Stück weit vom Tisch und beginnt die Welt zu erobern.