Vorbei sind die Zeiten, als man gemeinhin das Rentenalter mit dem „Herbst des Lebens“ gleichsetzte. Der demografische Wandel und mit ihm auch eine Änderung in den Lebensstilen älterer Menschen sind bereits im vollen Gange. Sinkende Geburtenraten bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung verändern die Altersstruktur der westlichen Gesellschaften tiefgreifend. Man geht davon aus, dass im Jahr 2050 jeder dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein wird. Die heutigen – und künftigen – Senioren sind insgesamt aktiver, gesundheitsbewusster, neugieriger, interessierter und engagierter als frühere Rentnergenerationen. Für sie ist das reifere Alter die beste Lebensphase, in der sie neugewonnenen Freiheiten nutzen können – sie sind die „Free Ager“.

Die „Free Ager“ – manchmal wird für sie auch der Begriff „Silver Society“ gebraucht – begreifen das Altern nicht als fortschreitenden Verlust von Fähigkeiten, sondern als Chance. Wenn sie Kinder haben, stehen die meist schon auf eigenen Füßen, es ist etwas Geld auf der Bank, berufliche und familiäre Verpflichtungen lassen nach – und nun hat man die Freiheit, sein Leben so zu gestalten, wie man es sich wünscht und sich vielleicht schon lange vorgestellt hat. Manche wagen auch noch einmal einen beruflichen oder privaten Neuanfang in der dritten Lebensphase.

Gefragte Ratgeber in vielen Bereichen

Das Haar mag etwas schütterer und/oder grauer sein als es einmal war, dafür bringen die „Free Ager“ aber etwas mit, das die jungen Spritzer noch gar nicht haben können: Lebenserfahrung, Weisheit, Wissen und auch eine gewisse Gelassenheit und Krisenfestigkeit, die sich in den Stürmen des Lebens herausgebildet hat. Das macht die „Free Ager“ zu gefragten Ratgebern im sozialen Bereich, in Nachbarschaftsnetzwerken, in Vereinen oder auch ganz einfach unter Freunden. Und nicht nur das: In Zeiten sich verschärfenden Fachkräftemangels ist der Erfahrungsschatz der Älteren auch wieder mehr als bisher in der Wirtschaft gefragt. Die Firmenchefs erkennen, dass der kurzlebige Jugendwahn früherer Jahre keine Zukunft hat und dass die Berufserfahrung langjähriger, älterer Mitarbeiter Gold wert ist. Gerade in höher qualifizierten Jobs geben deshalb viele „Free Ager“ auch nach der Verrentung ihr berufliches Wissen als Berater weiter.

Und nicht nur das: Manch einer wird auch zum „Siverpreneur“: Dieser Begriff bezeichnet Menschen, die im Rentenalter noch einmal beruflich richtig durchstarten und eine eigene Firma gründen. Die Voraussetzungen sind bei vielen gut: Berufliche Qualifikation, Startkapital, Gespür für neue Chancen, gute Vernetzung und Information, der Blick für das Wesentliche. Sie wollen die verbleibende Lebenszeit nicht im Ohrensessel vor dem Fernseher vertrödeln, sondern sich vielleicht erst jetzt nach der Devise „Berufung statt Beruf“ verwirklichen.

Informiert, gut vernetzt und online

Dass die modernen Älteren mit der Zeit gehen, lässt sich auch daran ablesen, dass inzwischen über die Hälfte der über 60-Jährigen das Internet nutzt, um Gleichgesinnte für Freizeitaktivitäten oder manchmal auch einen neuen Lebenspartner zu finden. In ihrem Wissen um die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung stehen viele Senioren den „digital natives“ in nichts nach. Auch daran lässt sich erkennen, wie aufgeschlossen die Mehrheit der heutigen Senioren ist. Sie bilden damit ein Gegengewicht zu reaktionären und konservativen Strömungen in der Gesellschaft.

Durch diese Eigenschaften und Fähigkeiten sind die „Free Ager“ oft beruflich erfolgreich und deshalb finanziell besser gestellt als der Durchschnitt. Nach einer Erhebung des Zukunftsinstituts sind rund 70 Prozent des Geldvermögens in Deutschland im Besitz von über 50-Jährigen. Das wiederum bedeutet, dass viele „Free Ager“ vermögend und konsumfreudig sind und deshalb großes Käuferpotenzial besitzen. Das macht sie zu einer wichtigen Zielgruppe für die Werbung. Gleichzeitig sind aber viele Vertreter dieser Gruppe aufgrund ihrer Lebenserfahrung auch ausgesprochen kritische Konsumenten. Sie bilden eine Klientel, die vor einer Kaufentscheidung überzeugt werden will – und hierbei spielen gute Bilderbotschaften eine ausschlaggebende Rolle.

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