Unter professionellen Fotografen gibt es kaum eine Social Media Plattform, die mehr polarisiert als die von Kevin Systrom und Mike Krieger im Jahr 2010 in San Francisco (USA) erfundene App Instagram. Anfangs als reine Foto-Schaufenster-App entwickelt, erlebte das (kostenlose) Tool einen rasanten Anstieg in den Download-Charts (Anfangs nur unter IOS, später auch für Android) und konnte innerhalb weniger Monaten eine Community von 10 Millionen Anwendern aufbauen. Als sie 2012 schließlich von Facebook für die damals sagenhafte Summe von 1 Mrd. US-Dollar übernommen wurde, verzeichnete sie schon mehr als 100 Millionen User. Heute, 5 Jahre später, wird die App monatlich von weit mehr als 700 Millionen Menschen weltweit genutzt, um Bilder hochzuladen, zu bearbeiten und zur Schau zustellen. Die Gesamtzahl der bei Instagram bereits hochgeladenen Bilder lässt sich schwer einschätzen und genaue Zahlen werden nicht veröffentlicht, aber man geht davon aus, dass täglich mehr als 60 Millionen Beiträge (davon 90% Bilder und 10% Videos) hochgeladen werden.

© Kike Arnaiz/Westend61

Was macht diese App so unheimlich beliebt? Nun, es gibt eine Reihe von Merkmalen, die dazu geführt haben, dass Instagram nicht nur das Medium “Fotografie” demokratisiert (manch einer meint sogar verbittert, es hätte die Fotografie entwertet…) und nachhaltig verändert bzw. beeinflusst hat, sondern auch dazu beigetragen haben, dass Instagram in Sachen mobiler Fotografie die App der Wahl für so viele Menschen weltweit geworden ist.

Das Bild als gemeinsame Muttersprache

Bei Instagram dreht sich alles um das Bild. In letzter Zeit erlebt zwar Video als Medien-Format einen regelrechten Boom, aber 90% der Beiträge bestehen immer noch aus Bildern. Das heißt, die “Muttersprache” im Instagram-Ökosystem ist das Bild. Ohne viel Energie und Zeit in Texte oder sonstigen Erläuterungen zu verlieren (diese werden von der Mehrheit der Nutzer ohnehin kaum gelesen), werden somit einfach nur Bilder gemacht, bearbeitet und in einer digitalen Galerie geteilt. Eine ganze Generation an jungen Menschen (90% der User sind unter 35 Jahre alt) dokumentiert, kommuniziert, kreiert und spielt so mit dem international verständlichen Medium Bild. Dass die omnipräsenten Smartphones mittlerweile mit sehr guter Technik ausgestattet sind, so dass man mit ihnen durchaus gute Bilder erstellen kann, die dann ohne große Umwege direkt in der App landen können, erleichtert natürlich auch die schnelle Kreation dieser Bilder. Auch ein externer Upload ist vorgesehen, so dass der Umweg über eine normale Digitalkamera ebenfalls möglich ist und sogar von den meisten Profi-Fotografen bevorzugt wird. Denn, obwohl sich die Bildqualität der Smartphone-Kameras rasant weiterentwickelt hat, liefern herkömmliche Digitalkameras immer noch eine bessere Bild-Qualität und eine größere technische Flexibilität bei der Produktion der Bilder.
Instagram hat also ein Öko-System geschaffen, das für fotobegeisterte Menschen ideal ist, weil es schnell, einfach und hoch kreativ ist.

© Dirk Wüstenhagen/Westend61

Eine kleine Revolution

Die Instagram-App hat aber auch von Anfang an für eine kleine Revolution in der Smartphone-Fotografie gesorgt, indem sie die Möglichkeiten der Nachbearbeitung mit einer Reihe vorgefertigter Filter für jedermann auf dem Handy leicht und unkompliziert angeboten hat: Bild aufnehmen, mit gewünschten Filtern bearbeiten und dann hochladen. Musste man davor die Bilder erstmal am heimischen PC in der digitalen Dunkelkammer bearbeiten bzw. optimieren, um sie dann in einem späteren Schritt veröffentlichen zu können, ermöglichte Instagram hier erstmalig eine viel schnellere Vorgehensweise. Die große Anzahl an Nutzern führte sogar zeitweise dazu, dass das quadratische Format (bis 2015 wurden sämtliche Bilder auf Instagram zwingend nur in diesem Format dargestellt), das man davor eher von den alten Fotoalben der Eltern kannte, eine regelrechte Renaissance erlebt hat.

Wo Rauch ist, muss auch Feuer sein

Bei so vielen Millionen Nutzern weltweit war es dann auch nur eine Frage der Zeit, bis die kommerziellen Nutzungsmöglichkeiten seitens der Unternehmen erkannt wurden. So gibt es mittlerweile kaum eine Marke, die nicht eine Präsenz auf Instagram hat. Mit Hilfe von Bildern versuchen die Firmen, sich und ihre Produkte bzw. Dienstleistungen dem breiten Publikum zu präsentieren und für sich zu werben.
Aber nicht nur Unternehmen haben das Potential von Instagram erkannt, sondern auch einzelne Personen, darunter auch Fotografen und natürlich Personen des öffentlichen Lebens. Wer mit viel Geschick und Beständigkeit (und manchmal auch Glück oder andere Hilfsmittel) eine große Anzahl an Followern aufgebaut hat, kann sich über ein großes Maß an Feedback von den Nutzern freuen. Hier ist sogar eine neue Berufsgruppen entstanden: Influencer sind Nutzer, die aufgrund ihrer großen Anzahl an Follower mit ihren Instagram-Aktivitäten nicht selten hohe Einnahmen generieren, die bei manchen sogar als Haupteinkommen dienen. Diese Einnahmen erfolgen aufgrund von Marketingdeals mit interessierten Unternehmen, die dafür zahlen, dass ihre Produkte/Dienstleistungen im Stream des Influencers erscheinen.

Aber nicht nur direkte Einnahmen können durch die Präsenz in Instagram erzeugt werden – mancher Fotograf ist schon aufgrund seiner Arbeiten auf Instagram in den Genuss von Aufträgen gekommen oder entdeckt worden. Viele Bildkuratoren und Artbuyer sind tagtäglich auf Instagram unterwegs, um in dem fast unendlichen Flut auf solche Bildmacher zu stoßen, die aufgrund ihrer speziellen Bildsprache, ihres Looks oder Styles aus der Masse hervorstechen. Als Beispiel hierfür sei der Instagram-Nutzer Murad Osmann genannt, der aufgrund seiner Bilder-Serie “#FollowMeto” einen viralen Hit landete und dessen Fanbase auf mittlerweile über 4 Millionen Follower angestiegen ist. Dahinter steckt der russische Fotograf Murad Osman, der heutzutage als einer der wichtigsten Influencer im Bereich Travel gilt und sich über eine nicht endende Liste an wartenden Auftraggebern erfreut, die genau diesen Style in ihren Kampagnen einsetzen wollen.

Ein anderes Beispiel ist der junge deutsche Fotograf Max Muench, der aufgrund seiner Arbeiten bei Instagram mittlerweile die Welt bereisen darf – auf Kosten der zahlenden Auftraggeber. Die Liste der Fotografen, die aufgrund von Instagram zu Ruhm, Ehre und Erfolg gekommen sind, ist lang.

Also… soll ich als Fotograf mit dabei sein bei Instagram?

Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass Instagram sich als bildlastige und effektive Plattform nutzen lässt, um mit den eigenen Bildern ein sehr großes Publikum zu erreichen. Aber ist das für professionelle Fotografen auch zu empfehlen? Vielleicht lässt sich diese Frage anhand einer Auflistung von Vor- und Nachteilen leichter beantworten:

Vorteile für Fotografen

• Wenn es darum geht, die eigenen Werke einer größtmöglichen Anzahl von Menschen zu präsentieren, gibt es mit (potentiell) 700 Millionen Nutzern weltweit kaum eine bessere, einfachere Alternative um Eigen-Promotion zu betreiben.

• Instagram wird weltweit von Millionen kreativer Menschen als Plattform benutzt, darunter viele Künstler, professionellen Fotografen und Brands, die ihre Kreationen dort konzentriert vorstellen. Somit bleibt man als Fotograf dort ständig in Kontakt mit den neuesten Trends und Looks und verliert nicht das Gefühl für den Zeitgeist in der internationalen Bildsprache.

• Dadurch, dass Instagram auch als Kommunikationsplattform dient, kann man sich als Fotograf schnell und unkompliziert mit anderen Fotografen austauschen und somit Netzwerke aufbauen.

• Da man relativ schnell Feedback vom Publikum erfährt, kann man als Fotograf auf Instagram durchaus Bild-Experimente wagen und neue Wege gehen und somit ohne große Risiken kreativ mit der eigenen Fotografie agieren. Wie diese Bilder dann beim Publikum ankommen, erfährt man sofort anhand der umfangreichen Auswertungen (Statistiken, Anzahl der Likes, usw.), die die App anbietet.

• Auch in Sachen Motivation und Inspiration kann Instagram eine positive Stütze sein, weil der Fotograf angespornt wird, immer wieder neues Material für den eigenen Stream herzustellen.

Nachteile für Fotografen

• Bei 700 Millionen Nutzern weltweit ist man anfangs selbst ein kleiner Fisch im großen Ozean. Es bedarf viel Zeit, Geduld und Interaktion mit den anderen Nutzern, bis man auf Instagram eine nennenswerte Anzahl an Follower aufgebaut hat. Ausdauer ist hier gefragt!

• Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist der Umgang mit Kritik bzw. fehlender Reaktion seitens des Publikums. Ein absolut großartiges Bild kann wenige Likes erhalten, andere, vielleicht nicht so großartige Bilder ,können aufgrund vieler anderer Faktoren zu absoluten viralen Hits werden. Dies kann anfangs zu Frust und einer negativen Einstellung gegenüber den anderen Nutzern und der Plattform an sich führen.

• Wie bei jeder Veröffentlichung im Internet, können auf Instagram hochgeladenen Bilder geklaut werden. Des Weiteren gelten hier auch die üblichen Problematiken mit den AGBs und Copyright-Themen bezüglich der Überlassung der Bilder an Instagram als Unternehmen.

• Instagram ist eine Social Media Plattform, die sich technisch ständig verändert und weiterentwickelt, so dass man sich als Nutzer des Öfteren damit konfrontiert sieht, Neues zu erlernen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Instagram als bildlastige Social Media Plattform für professionelle Fotografen durchaus als Selbstvermarktungs-Tool, Inspirationsquelle und kreative Spielwiese eingesetzt werden kann. Man muss nur bereit sein, anfangs viel Zeit und Energie zu investieren und auch mit Kritik bzw. Fehlschlägen und Enttäuschungen umzugehen. Wenn man dies aber mit der notwendigen Geduld, Geschick und selbstverständlich mit guten Bildern anstellt, dann eröffnet Instagram eine wunderbare Bilderwelt, die einen immer wieder mit neuen Motiven, Trends und Looks überrascht und somit die eigene Fotografie sinnvoll bereichern kann.

Wir bei Westend61 betreiben selbstverständlich auch einen Instagram-Account, bei dem wir kontinuierlich Bilder von unseren mehr als 400 internationalen Fotografen zeigen und immer wieder neue spannende Bildproduzenten entdecken.

…als kleine Kostprobe von dem, was Du in unserem reichhaltigen Portfolio vorfinden kannst.

Übrigens, wir nutzen Instagram auch als Scouting-Tool um neue, interessante Fotografen zu finden! Weitere Infos hierzu findest Du hier.