Ein „alter Hase“ im Geschäft – aber immer wieder mit neuen Ideen – ist Roger Richter, der seit 2014 zu den Stammfotografen von Westend61 gehört. Denn schon früh war für den 52-Jährigen klar, dass Fotografie „sein Ding“ ist. Der gebürtige Wiesbadener studierte Fotografie bei Prof. Dr. Hans Puttnies an der FH in Darmstadt und machte sich bald danach selbständig. Richter arbeitet neben seiner Tätigkeit für Westend61 als Werbefotograf für namhafte Firmen und internationale Konzerne. Seine bevorzugten Themenfelder sind People, Business, Architecture & Interior, Food sowie Social Responsibility.

Bevor Roger zu Westend61 kam, stellte er sein Bildmaterial unter anderem bei Getty Images und Corbis ein. „Als ich zu Westend61 kam, war das zunächst mal eine Art Versuchsballon für mich. Aber dann habe ich allmählich festgestellt, dass das dort sehr gut läuft, und vor allem sehr konstant“, erzählt er. Denn professionelle Bilder zu machen allein genügt in der Stock-Fotografie nicht. „Entscheidend ist das Ranking: Du kannst am besten Bilder verkaufen, wenn sie bei einer Agentur leicht zu finden sind“, weiß Roger Richter.

Qualitätsanspruch trotz steigendem Preisdruck

Roger hat – wie die meisten seiner Kollegen – miterlebt, wie das Marktumfeld für Fotoprofis zunehmend schwieriger wurde. Die schiere Masse an verfügbarem Bildmaterial und der Preisdruck erschweren es in der Stock-Fotografie, aufwendig produzierte Bilder zu verkaufen. Die digitale Fotoflut schafft nicht nur Reizüberflutung bei den Betrachtern, sie überdeckt oft auch die Qualitätsmerkmale gut gemachter Bilder: „Der Markt hat ein Riesenproblem, weil sozusagen alle Marktteilnehmer in einer Liga spielen“, so Roger Richter. Das kann frustrierend sein: „Du produzierst professionell mit hohen Kosten und schmeißt deine Bilder dann in eine millionenfache Bilderflut“, hat Roger beobachtet. Er nennt das „das große schwarze Loch“, in dem manches gute Bild einfach untergeht.

„Das zweite große Problem ist, dass sich viele Bildagenturen nicht bewusst sind, dass sie die Preise ruinieren, wenn sie die Fotos zu Dumpingpreisen anbieten. Wie sollen denn da die Produktionskosten wieder reinkommen?“, so Roger. Er habe beobachtet, das Agenturen oft versuchen würden, Umsatzrückgänge nach der Devise „Masse statt Klasse“ wieder hereinzuholen – keine gute Perspektive für Profis hinter der Kamera, die nach wie vor hohe Qualität bieten und bei den Produktionskosten dementsprechende investieren müssen. Roger nennt ein Beispiel aus dem Bereich „People“-Fotografie: „Wenn ich da drei Generationen mit Großeltern, Eltern und Kindern dabei haben möchte, und als Models für Eltern und Großeltern Profis buche, bin ich schnell bei über fünftausend Euro Produktionskosten pro Tag.“

Angesichts dieser schwierigen Rahmenbedingungen ist Roger Richter froh, dass er als wirtschaftliches Standbein neben der Stock-Fotografie die Werbefotografie hat, wo er im Auftrag teils namhafter Firmen und Konzerne Bilder für Kampagnen und einen ganz bestimmten Zweck produziert.

Fotografie für NGO-Projekte in aller Welt

Und es gibt noch ein anderes Feld, auf dem er tätig war und ist: Roger fotografierte für zahlreiche ehrenamtliche Projekte in Asien, Afrika und Lateinamerika. Auf diesen Reisen entstanden beispielsweise Aufnahmen aus dem Erdbebengebiet in Kaschmir, wohin er mit Rupert Neudeck (1939-2016), dem Gründer der Hilfsorganisation „Cap Anamur“ gereist war, Bilder aus den Slums von Indien sowie Aufnahmen, mit denen er die Arbeit der Entwicklungshilfeorganisation Andheri-Hilfe in Bangladesch dokumentierte. Die Erlebnisse auf solchen Reisen können im Unterschied zur coolen Welt der Stock- und Werbefotografie daheim emotional sehr berührend sein – beispielsweise, als Roger in Bangladesch ein Mädchen porträtierte, das seine gesamte Kindheit blind verbringen musste und nach einer Augen-OP wieder sehen konnte. Seine Bilder halfen dabei, Aufmerksamkeit für das Schicksal der vielen Blinden in diesem Land zu wecken und Geld für Augenoperationen zu sammeln, mit denen viele von ihnen ihr Augenlicht zurückbekommen können. Diese unentgeltliche Arbeit, mit der Roger Richter die Arbeit von NGOs (Non-governmental organizations) unterstützt, hat für ihn persönlich einen besonderen Wert: „Da bekommt man als Fotograf so viel zurück, weil das einfach sinnstiftend ist“.

Apropos Emotionen: Die sind natürlich grundsätzlich ein wichtiges Thema, und zwar nicht nur in Bezug auf das eigene Innenleben, sondern auch wenn es für den Fotografen darum geht, Aufmerksamkeit für seine Arbeit zu wecken. Bei der „Rezeptur“ für ein gutes Foto spielt deshalb für Roger Richter – neben einem soliden fotografischen Fundament – unbedingt die Emotionalität des Motivs eine große Rolle. Und der Schlüssel hierfür sind interessante, ausdrucksstarke Gesichter, gefolgt von einer guten Location.

Und – womit wir wieder beim „schwarzen Loch“ wären – der Fotograf braucht last but not least einen zuverlässigen Partner, der ihm bei der Vermarktung seiner Arbeiten hilft, damit sie nicht schlicht übersehen und/oder unterbezahlt werden. Neben der eingangs erwähnten guten Präsentation seiner Bilder sind es für Roger Richter vor allem der gute persönliche Draht und die professionelle Betreuung, die Westend61 zu einem guten Partner für ihn machen.