Der soziale Wandel im Gefolge von Globalisierung und Digitalisierung hat eine neue Elterngeneration hervorgebracht: Die „Millennial Parents“ wurden bereits in ihrer Jugend durch die digitalen Medien geprägt. Das Aktivsein in einer vernetzten Welt ist für sie kein Widerspruch zu ihrer Elternrolle. Sie wollen Beruf, Freizeitaktivitäten und Freundeskreis in Einklang bringen mit ihren Verpflichtungen als Mütter und Väter.

Im Kontext mit dem Megatrend Individualisierung werden oft zunehmende soziale Kälte, Egoismus und Mangel an Gemeinsinn beklagt. Als Beleg werden die hohe Scheidungsrate und die steigende Zahl von Singlehaushalten in Deutschland (und anderen europäischen Staaten) angeführt. Im gleichen Atemzug wird – vor allem von kirchlich-konservativer Seite – vor dem Verlust des traditionellen Familienmodells als Kern von Staat und Gesellschaft gewarnt.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Die Vervielfältigung der Lebensstile („Lifestyle Diversity“) wird in Statistiken kaum abgebildet, und eine Singlequote von 20 Prozent bedeutet eben auch, dass die anderen 80 Prozent in Mehrpersonenhaushalten leben. Und Familie steht bei der Generation der 16- bis 35-Jährigen nach wie vor hoch im Kurs – nur muss es eben nicht die klassische „Normfamilie“ traditionellen Zuschnitts sein. Laut einer Erhebung des Zukunftsinstituts gehen rund 70 Prozent der befragten jungen Männer und Frauen davon aus, dass sie mehr als ein Kind haben werden. Familiengründung bleibt also nach wie vor ein erstrebenswertes Ziel vieler junger Menschen.

Ausweitung des Familienbegriffs

Die neue Elterngeneration der „Millennial Parents“ geht unverkrampfter an das Thema Elternschaft und Familie heran als ihre Vorgänger. Diese jungen Familiengründer sind oft kosmopolitischer und haben in jungen Jahren oft schon mehr von der Welt gesehen als ihre Eltern. Dadurch haben sie oft auch ein breitergefächertes Interessenspektrum, das sie trotz der mit einer Familiengründung verbundenen persönlichen Einschränkungen nicht vernachlässigen möchten: Sie wollen weiter reisen, ausgehen und Kulturangebote genießen, und zwar mit ihren Kindern zusammen.

Ein kennzeichnendes Merkmal der „Millennial Parents“ ist ihr Streben nach einem ausgewogenen Verhältnis von Beruf, Freizeit und Familie. Natürlich gibt es auch bei ihnen noch das verheiratete Paar mit Kindern, bei dem der Mann das Geld verdient und die Frau sich vorwiegend um die Kinder kümmert. Doch daneben stehen inzwischen gleichberechtigt verschiedene andere Formen familiären Miteinanders: Unverheiratete mit Kindern, homosexuelle Paare mit eigenen Kindern, unverheiratete Mütter mit neuem Partner und natürlich Alleinerziehende.

Diese Vielgestaltigkeit der Familienmodelle macht deutlich, dass Gemeinsinn und Individualität nicht zwangsläufig ein Widerspruch sein müssen. Vielmehr sind das Leben in der vernetzten Welt des 21. Jahrhunderts und der Wunsch nach einer Familie zwei Seiten derselben Medaille: Gerade in einer Zeit, in der das einzig Beständige der Wandel zu sein scheint, wächst der Wunsch nach einem gesicherten und behüteten Rückzugsort – der eigenen Familie. Diese eigene Familie steht aber bei den „Millennial Parents“, bedingt durch die Möglichkeiten der sozialen Medien, oft stärker in Beziehung, Austausch und Vergleich mit anderen Familien: Die jungen Eltern teilen ihren Alltag in den Netzwerken, idealisieren oft auch das stressige Dasein junger Eltern.

Kinder und Karriere in Einklang bringen

Das Lebensgefühl und die Bedürfnisse der „Millennial Parents“ wirken auch in die Arbeitswelt hinein. Moderne Väter sehen sich nicht vornehmlich in der traditionellen Rolle als Brötchenverdiener, sondern wollen stärker am Leben und Aufwachsen ihrer Kinder teilhaben als früher. Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist demzufolge zu einem wichtigen Thema in der Unternehmenskultur vieler Firmen geworden. Dies gilt umso mehr in Zeiten von Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel: Gut ausgebildete junge Eltern, die zwischen mehreren attraktiven Jobangeboten wählen können, werden meist der Firma den Vorzug geben, die keine Überstundenweltmeister und Burnout-Anwärter, sondern ausgeglichene Mitarbeiter mit Know-how und stabilem familiären Hintergrund sucht. Das führt dazu, dass viele Unternehmen – und zwar nicht nur große Konzerne – sondern auch immer mehr Mittelständler, entsprechende Angebote für ihre Mitarbeiter machen, beispielsweise durch zeitweise Kinderbetreuung am Arbeitsplatz oder Home Office.

Die auch staatliche Anerkennung und Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften sowie die Öffnung des Ehe- und Adoptionsrechts hat den Trend zur Differenzierung des Familienbegriffs noch verstärkt. Einen Einfluss hat zudem die moderne Ausprägung weiblichen Emanzipationsstrebens, die wir hier kürzlich unter dem Begriff „Female Force“ behandelt haben. Sie führt dazu, dass junge Mütter die gleichberechtigter Wiedereingliederung in die Arbeitswelt nach einer Schwangerschafts-/ Mutterschaftspause fordern – aber auch dazu, dass immer mehr junge Väter eine Auszeit vom Job nehmen, um sich vorübergehend in Vollzeit um den Nachwuchs kümmern zu können. Die Einführung des Elterngelds hat hierfür einen zusätzlichen finanziellen Anreiz geschaffen, aber auch die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz dieser Entwicklung gefördert.

Wichtig für Handel, Werbung – und Fotografie

Weil die „Millennial Parents“ sich nicht im trauten Heim verstecken, sondern aktiv am Leben teilnehmen und es genießen möchten, sind sie auch eine umworbene Konsumentenschicht. Um diese Gruppe herum entstehen neue Produkte und Angebote, wie beispielsweise Baby- und Kinderartikel, die speziell für den mobilen Einsatz auf Reisen ausgelegt sind, haushaltsnahe Dienstleistungen wie Online-Shopping von Lebensmitteln oder auch flexibel buchbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Folglich sind Lebensgefühl und Bedürfnisse der „Millennial Parents“ ein weites Feld für Werbung und Werbefotografie. Die Vielfalt der hier gelebten Vorstellungen von Familie geht einher mit einer großen Variationsbreite an Motiven. Gerade die motivische Abgrenzung zu den bisherigen Rollenmustern kann hierbei für Spannung sorgen – etwa bei Bildern, auf denen Väter oder Mütter alleine mit ihren Kindern zu sehen sind, bei gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften oder auch bei Paaren, die unterschiedlichen Erdteilen und Kulturen entstammen.