Die großen internationalen Fotografen der Welt schlagen ihre Zelte ja gern in Metropolen wie New York oder Paris auf. Will man den russischen Top-Shooter Vasily Pindyurin zu Hause besuchen, muss man ein paar Kilometer mehr auf sich nehmen: Pindyurin, der für seine fotografischen Abenteuer im russischen Hinterland bekannt ist, lebt in Blagoveshchensk in der Amur-Region nahe der chinesischen Grenze. Vielleicht ein besonders inspirierender Ort für kunstsinnige Experimente. Vor kurzem überraschte er unser Creative Department mit einer Produktion jenseits der Stockfotografie-Normen. Unser Art Director und Editor Giorgio Fochesato, der oft gemeinsam mit Vasily arbeitet, wollte genauer wissen, wie es zum Spaceman-Projekt kam.

Giorgio: Wie kamst du auf die ungewöhnliche Idee, diese Spaceman-Produktion umzusetzen?

Vasily: Im letzten Frühjahr habe ich den Kurs Contemporary Art Photography abgeschlossen und hatte Unmengen an neuem Input. Es war so viel, dass ich mich auf eine seltsame Art hilflos und klein fühlte, in diesem Ozean der Kunst-Kultur: eben wie, so kann ich mir es vorstellen, ein Astronaut im All. Das hat mich relativ schnell auf die Idee für ein neues Kunstprojekt gebracht. Ich begann damit, ein paar Testversuche zu shooten, die ich auch auf Instagram Stories dokumentierte. Schnell bekam ich eine Antwort von Westend61, mit der Anmerkung, die Reihe könnte etwas für mein Portfolio dort sein. Nach kurzer Überlegung sagte ich Ja und habe mit der Planung des Projekts begonnen.

G: Das gesamte Projekt besteht aus drei verschiedenen Einsendungen. Erzähl uns die jeweiligen Stories. Wo hast du geshootet?

V: Den ersten Part haben wir in verschiedenen Höhlen in Szene gesetzt. Ich musste Geduld haben und länger nach stimmigen Locations Ausschau halten, und teilweise musste ich auch mehrere Tage auf das passende Wetter warten. Während der Produktion habe ich immer mehr und mehr Perspektiven gefunden, um eine Mars-ähnliche Landschaft auf den Bildern darstellen zu können.Der zweite Teil war ein kleines Abenteuer für sich. Wir haben in Wäldern und auf Feldern Aufnahmen gemacht. Die größte Herausforderung waren dabei die ganzen Mücken, die an den heißen Sommertagen nicht von uns lassen wollten. Wir hatten also ein wenig mit der Natur zu kämpfen.Zu guter Letzt, der dritte Teil. Hierfür sind wir über die Grenze nach China gefahren, damit wir eine etwas andere Szenerie vorfinden konnten. Die Kinder vor Ort waren ganz schön aufgeregt, als sie diese merkwürdige Erscheinung in dem futuristischen Kostüm zu Gesicht bekamen.G: Wo hast du eigentlich den Anzug gefunden?

V: Er wirkt wie aus einer geheimen Weltraum-Mission, aber in Wirklichkeit ist er von Freunden aus China, die in der Fashion-Industrie designen und fertigen.

G: Dein Model war Tag und Nacht in diesem Kostüm unterwegs. Wie haben die Leute reagiert?

V: Das war schon witzig für die Betrachter. Für mich allerdings nicht immer. Viele haben einfach Fotos gemacht und sie in ihren sozialen Kanälen geteilt. Sie haben versucht, das Model anzufassen oder mit ihm zu reden. Am Anfang wussten wir nicht, ob das Ganze nicht ein bisschen zu weit geht, aber am Ende waren wir ganz relaxt. Es war ein großer Spaß.G: Wo wir beim Thema sind, wer ist das Model?

V: Meine Frau Irina. Sie hat hart für das Projekt gearbeitet und viel Zeit in die Planung gesteckt. Sie hat unter anderem tolle Locations gefunden. Ich bin sehr dankbar für ihre Hilfe und auch für die spaßvoll-spannende Zeit, die wir gemeinsam hatten.

G: Auf meinem Lieblingsbild steht sie mitten in der Nacht vor sehr merkwürdig aussehenden Bäumen. Was waren das für Bäume?

V: Um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht sicher. Sie sahen irgendwie aus wie bisher unentdeckte Alien-Pilze, wenn du mich fragst. Sie wurden von chinesischen Gärtnern in verrückte Formen gebracht. Soweit ich weiß, nutzen sie dazu Bambusstäbe und Seile.G: Danke, dass du uns dieses spannende Projekt nähergebracht hast. Hast du noch weitere solcher Produktionen für die Zukunft geplant?

V: Ich bedanke mich auch für die Hilfe und die Möglichkeit, eine solche ungewöhnliche Produktion umzusetzen. Natürlich habe ich noch weitere Ideen. Die brauchen aber noch ein wenig Zeit, und ich warte noch auf die genialen Eingebungen, bevor ich mich an die Umsetzung machen kann.G: Vasily, was tust du eigentlich sonst so, wenn du nicht gerade an geheimen Space-Projekten arbeitest?

V: Wenn ich mal nicht bis zum Hals in geheimer Space-Mission stecke, dann kümmere ich mich um andere, übrigens sehr schöne Projekte, wie das Familienleben und die Fotografie. Ich liebe die zeitgenössische Kunst, das Reisen und natürlich die kleinen Abenteuer in der Natur meiner Heimat.G: Eine letzte Frage: Warst du schon mal auf dem Mars?

V: Komische Frage! Na klar, und zwar ziemlich oft! In meinen Träumen 😉