Der Mensch ist schon ein sensibles, verletzliches Wesen. Durch die Evolution etwas enthaart und, um es etwas dramatisch zu formulieren, unserer scharfen Zähne beraubt, stellt uns die Natur jeden Winter erneut vor die Zerreißprobe, manchmal bis hin zum Kampf um das pure Überleben. Den kältesten Ort der Welt hat der Mensch in der Hochebene im Osten der Antarktis gefunden, nein, nicht in Sibirien, bis zu minus 98 Grad Celsius sollen es nach Aussage einer Satellitenmessung gewesen sein (das die Messung nach der Weltorganisation für Meteorologie aufgrund der Messmethode nicht offiziell als Rekord anerkannt ist, lassen wir hier mal unter den Tisch fallen).

Zum Vergleich: Die tiefste je gemessene Temperatur in Deutschland wurde am 12. Februar 1929 in Wolnzach, Oberbayern, gemessen: immerhin minus 37,8 Grad Celsius. Der kälteste von Menschen bewohnte Ort befindet sich aber doch in Sibirien und hört auf den Namen Oimjakon. In dem abgelegenen Ort der russischen Teilrepublik Jakutien herrschen im Winter super-frostige Durchschnittstemperaturen von minus 50 Grad Celsius. Obst und Gemüse können hier schwerlich angebaut werden.

Die hellste Farbe für härteste Umstände.

Was haben alle diese Orte gemeinsam? Für gewöhnlich ist jede Landschaft bei diesen Temperaturen mit einer Decke aus Schnee oder Eis bedeckt und erstrahlt in frostigem Weiß. Wir finden es fast ironisch, dass gerade die hellste aller Farben für die härtesten Lebensbedingungen verantwortlich ist. Es ist die Farbe der Unschuld und der Reinheit, die Summe aller Farben des Lichts und somit die beeindruckenste Farbe, die wir kennen, und doch ist es auch eine Farbe, die uns im wahren Sinne des Wortes, erzittern lässt.

Weiß ist nicht gleich weiß

Weiß hat die Eigenschaft je nach Umfeld anders zu wirken. Fotografen können ein Lied davon singen: Stichwort Weißabgleich. Es wirkt mal heller, mal dunkler, wärmer oder kälter. Es gibt also viele Sorten von magischen Weiß. Man glaubte sogar mal, die Inuit hätten unzählige Wörter für Schnee, was aber eher ein linguistischer Mythos ist. Es hätte ja eigentlich Sinn gemacht. Wer den ganzen Tag Weiß vor der Nase hat, sollte selbst die kleinsten Unterschiede erkennen. Wenn wir uns in einer Winterlandschaft wiederfinden, dann nehmen wir in erster Linie ein reines Weiß war. Je nach Witterung ist es eventuell heller oder dunkler, aber Verfärbungen nehmen wir in der Natur mit bloßem Auge kaum wahr.

Weiß erfordert Planung

Weiß in der Natur ist bittersüß und irgendwie ambivalent. Wir erfreuen uns an schneebedeckten Bergen, Frost auf den Bäumen, der das Licht der Sonne widerspiegelt oder die Stille eines gefrorenen Sees. Doch gleichzeitig bedeutet es den Kampf gegen die Elemente. Ob in großen oder kleinen Winterabenteuern, es gilt gewappnet zu sein. Die Dicke der Jacke ist für den Waldspaziergang genauso von Bedeutung, wie bei einer Gletscherexpedition. Es gilt sich zu überwinden und der Kälte zu trotzen und das alles für die Belohnung der schönsten Anblicke weißer Reinheit. Wem das aber zu kalt ist, der kann sich die klirrende Kälte in unserer eisigen Lightbox zu Gemüte führen – Willkommen zu Hause im Warmen!