Game of Places: Ein Lied von Nähe und Ferne
Als Fotograf, gerade in der People- und Lifestyle-Fotografie, kommt man mit vielen Menschen zusammen. Wie das nun mal im Leben so ist, man mag manche und manche nicht. Für gewöhnlich überwiegt der sympathische Anteil, aber das schützt auch nicht zwingend vor Letzterem. Um das Problem zu überbrücken, hilft uns der Griff in unsere soziale Toolbox: Benötigt wird Professionalität.
Nichtsdestotrotz kommen Fotografen immer wieder in die Situation, den richtigen Abstand finden zu müssen. Da es eben nicht nur um das Zwischenmenschliche geht, sondern auch der Motiv-spezifische Abstand zwischen Fotografen und Model eine wichtige Rolle spielt. Wenn wir noch die Wahl der richtigen Brennweite hinzunehmen, haben wir also drei Faktoren, die ein Fotograf im Blick haben muss, um seinem Gegenüber mit dem richtigen Abstand zu begegnen.
Begegnungen, oder auch die intersubjektiven Raum-Zeit-Erfahrungen
„Nähe“ und „Distanz“ sind in Bezug auf das zwischenmenschliche Verhältnis ein recht dehnbares Begriffspaar. Da steckt viel Empfindsamkeit drin und Vertrauen, aber auch Skepsis und manchmal Missgunst. Räumliche Annäherung und Distanzierung sind deutliche Indikatoren, ob emotionale Annäherung gelingt oder emotionale Distanzierung zwischen uns und unserem Gegenüber entsteht: Gelingt der Interaktionsprozess oder nicht? Dabei geht es gar nicht konkret um Zahlen, sondern um das als „richtig“ empfundene Maß des Abstands, das Finden des Mittelwerts zwischen dir und mir.
Ist der Abstand einmal gefunden, ist er nie definiert. Nähe und Distanz sind subjektive und intersubjektive Raum-Zeit-Erfahrungen, die sich im Laufe eben dieser Zeiterfahrung justieren lassen. So können wir im Laufe eines Gespräches aufeinander zugehen oder uns voneinander entfernen. Manchmal gewollt und manchmal ganz zufällig, das geht vom skeptischen Abstand direkt in die herzliche Umarmung, irgendwo da liegt unsere gemeinsame Komfortzone.
Eines der beiden Phänomene wollen wir uns mal genauer anschauen, durch die Lupe, distanziert vom Gegenpol. „Durch Abstandsmangel wird bedingt, dass mancher Funke überspringt,“ sagte der deutsche Dichter und Schriftsteller Erich Limpach einmal.
Je näher, heißt das automatisch desto besser?
Die Sehnsucht nach Nähe und damit Geborgenheit wird uns in die Wiege gelegt. Unsere Entwicklung zum Menschen geht einher mit der Entwicklung des „Urvertrauens“, welches wir im schützenden Mutterleib von Sekunde eins unseres Daseins als empfindendes Wesen an wahrnehmen. Als Neugeborene empfinden wir Nähe als wohltuend. Wir erfahren sie durch alle damit einhergehenden Dinge, wie Wärme und die Ernährung.
Nähe ist für gewöhnlich ein friedlicher Zustand, von dem keine Gefahr ausgeht. Ein Zustand, den wir im späteren Leben nicht nur auf körperlicher Ebene, durch Berührung und Intimität erleben, sondern auch auf geistiger und spiritueller Ebene. Wir entwickeln die Fähigkeit, Menschen nahe zu sein, die hunderte oder tausende Kilometer von uns entfernt sind. Wir tun das durch emotionalen Beistand in schwierigen Phasen, beispielsweise durch das Zuhören und das Teilen. So vermitteln wir einander das Gefühl von Geborgenheit ohne körperlichen Kontakt. Es braucht also nicht immer räumliche Nähe, um sich nahe zu sein.
Die Nähe in der visuellen Kommunikation
Zwischenmenschliche Nähe im weiteren Lebensverlauf ist oft ein Resultat aus Begegnung, Neugierde und Anteilnahme, Distanz dagegen entsteht durch negative Einflussfaktoren wie Ablehnung, Unverständnis und Angst. Distanz lässt sich überwinden, in dem man Nähe zulässt. Wenn wir über Fotografie sprechen, gilt es auch hier, den richtigen Abstand zu finden, zum Motiv und auch im Bild selbst. Ein zu nah geschossenes Bild kann Unbehagen auslösen, während eine weite Entfernung oft einen Mangel an Emotionalität aufweisen kann.
Was wir im Bezug auf das Zwischenmenschliche bereits als nicht definierbar und vor allem flexibel beschrieben haben, hat in der visuellen Kommunikation relativ feste Regulierungen. Im Film finden wir sechs verschiedene Arten von Close-ups: Medium Shot, die halbnahe und nahe Aufnahme, die berühmte Großaufnahme wie auch Detail und Italienisch. Wer sich das genauer anschauen will, der klickt einfach mal hier: Lieben Gruß an Wikipedia.
Die Fotografie erweitert dieses Portfolio um die Makro-Range. Die gibt es natürlich auch im Film. Hier befinden wir uns oft im dokumentarischen Genre. Durch Makro-Fotografie können wir Dinge im 1:1-Maßstab betrachten, eine Perspektive, die oft Aufklärung verschafft. Mit Blick auf Details wird uns erst der Facettenreichtum der betrachteten Objekte so richtig bewusst. Das lässt sich prima auf die Menschlichkeit übertragen, denn allzu häufig fehlt uns ein genauer Blick, die richtige Nähe, um ein Urteil zu fällen oder die Dinge klar zu erkennen. Um diese Tatsache zu betonen, haben wir eine Lightbox einiger Close-ups und Makro-Shots zusammengestellt, damit wir alle ganz genau hinschauen.









