Besinnung auf das Wesentliche – Bilder der Entschleunigung

Eigentlich fing es schon mit dem ersten Schritt an, mit der ersten menschlichen Idee, die zu einer wie auch immer gearteten Weiterentwicklung führte: Wir sparen Zeit durch eine Erfindung – nur um sie mit etwas anderem zu verbrauchen. Ein Kreislauf, der sich im Lauf der Menschheitsgeschichte immer weiter beschleunigt hat. Spätestens die Industrialisierung hat dann aus all den sich immer schneller drehenden Rädern eine Maschinerie gemacht, die wir längst nicht mehr abschalten können.

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© Jo Kirchherr/Westend61

Seither läuft die Abwärtsspirale nach oben: Viele werden reicher, einige bleiben auf der Strecke, alle haben weniger Zeit. Die digitale Revolution hat diese Entwicklung noch weiter beschleunigt. Also hasten wir durch die Welt des Turbo-Kapitalismus, der uns über den Kopf zu wachsen droht. Hypes ersetzen Trends, jeden Tag ein neuer Schuh, ein neuer Tanz, ein neuer TikTok-Filter und morgen schon wieder etwas ganz anderes.

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Besinnung auf das Wesentliche – Bilder der Entschleunigung

In unserer globalisierten Welt sieht alles zunächst erst einmal gleich aus. Das Markenerlebnis zählt, also muss jedes Produkt Widererkennungswert haben, um Käuferinteresse zu wecken. Die großen Marken haben sich überall breitgemacht, ein Straßenzug ähnelt dem nächsten, ganze Innenstädte werden optisch austauschbar: überall die gleichen Geschäfte, überall die gleichen Konsumangebote. Die Welt ist einförmiger geworden, Individualität hat es schwer in der Moderne. Und manchmal kommen wir uns vor wie Figuren in einem Computerspiel…

Unser Leben in einer Simulation

Was Braulliard und „Matrix“ angestoßen haben, hat Elon Musk 2016 auf einer Technologiekonferenz des Blogs „Recode“ zu einer Simulationstheorie formuliert. Kernaussage dieser Interpretation der Neuzeit mit ihren immer rasanteren technologischen Entwicklungen: Wir leben eigentlich nicht mehr in einer realen Welt, sondern gewissermaßen schon in einer Computersimulation. Wir bewegen wir uns immer mehr auf eine virtuelle Realität zu, die sich von der analogen Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden lässt.

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© Michael Malorny/Westend61

Gegen den Strom zur Glückseligkeit

Was für einige von uns eine fesselnde und faszinierende Theorie ist, weckt bei anderen tiefes Unbehagen vor einer Hyperrealität, in der sie nicht leben möchten. Ohne hier ein zu düsteres Bild zeichnen zu wollen, muss man festhalten, dass uns etwas Rückbesinnung auf unsere Wurzeln zweifellos guttun würde. Dazu muss man einfach mal kurz stehenbleiben, innehalten und sich Folgendes vergegenwärtigen: Geschwindigkeit ist nichts anderes als die Verwendung und Einteilung unserer Zeit – und nicht ein Moloch, dem wir ständig huldigen müssen.

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Wir alle merken, um wie viel „schneller“ unser Leben geworden ist. Dieser Eindruck entsteht aus vielen kleinen Dingen, die unsere Aufmerksamkeit verlangen, und seien es nur die blauen Häkchen auf WhatsApp, die tägliche Nachrichtenflut oder das Bedürfnis alles immer und sofort haben zu wollen, weil wir es so gewohnt sind. Dabei vergessen wir vor lauter Stress nur zu leicht, dass wir mit der Fähigkeit zur Entschleunigung ein „Tool“ für mehr Zufriedenheit haben: einen Stock, den wir in die Speichen des sich immer schneller drehenden Rades „Höher, schneller, weiter“ stecken können, um es einmal anzuhalten.

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© Cavan Images/Westend61

Also: Wir müssen nicht immer schnell sein, nicht immer alles optimieren und vor allem sollten wir uns am Ende nicht irgendwann fragen müssen, wo denn bitteschön die Zeit geblieben ist. Alles, worauf Entschleunigung abzielt, ist unsere Glückseligkeit. Dieses schöne Gefühl tut nicht nur uns selbst gut, sondern kann auch unsere Mitmenschen „anstecken“ und in einer Gruppe eine Atmosphäre des Wohlbefindens schaffen.

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© Ivan Gener/Westend61

Glückseligkeit ist kein Dauerzustand, sondern zeigt sich in Momenten. Und wenn wir die verpassen, dann sind sie weg. Gute Momente sind nicht wie der nächste Bus, der schon kommen wird, wenn wir den früheren verpasst haben. Sie sind einzigartig und deshalb kostbar. Und sie offenbaren sich nur dem, der sich die Zeit nimmt, sie zu erleben.

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© Richárd Bellevue/Westend61

Entschleunigung in der Westend61-Bildwelt

Wann hast du dich das letzte Mal bewusst auf eine Wiese oder in einen Wald gesetzt, fernab der Wege, um nichts mehr vom Getriebe der Welt zu hören, nicht einmal das Knirschen von

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© Philipp Dimitri/Westend61

Fahrradreifen auf einem Kiesweg, Handy im Flugmodus, Augen zu und Ohren geöffnet für die Geräusche der Natur? Das bewusste Erleben der Natur ist ein Schlüssel zur Besinnung auf das Wesentliche. Aber wir können dieses Gefühl auch in den Armen eines nahestehenden Menschen finden. Es können aber auch Momente ohne ein Gespräch über den Tag, den Job oder Ziele sein — einfach nur mal da sein. Wann bist du das letzte Mal auf einer Brücke gesessen und hast den Verkehr unter dir durchrauschen lassen? Wann hast du dich das letzte Mal aus dem Treiben herausgenommen, es von außen betrachtet, ohne daran zu denken, was du angeblich noch alles zu erledigen hast? Wie lange warst du schon nicht mehr beim Wandern oder hast im Zug stundenlang aus dem Fenster geschaut und nicht auf dein Smartphone gestarrt?

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© Uwe Umstätter/Westend61

Dass Fragen wie diese viele Menschen bewegen, zeigen uns auch die vielen Bilder von Ruhe und Besinnung, die uns von unseren Fotografen in aller Welt erreichen. Unsere Lightbox mit den schönsten lizenzfreien Bildern der Entschleunigung erinnern uns daran, dass wir auch mal Fünfe grade sein lassen dürfen, damit wir wieder bei uns selbst ankommen können.

Sebastian Bentzin

Seit über 10 Jahren beschäftigt sich Sebastian von Hamburg aus mit den digitalen Medien. Als Social Media Manager von Westend61 nutzt er immer wieder die Möglichkeit, seinen Beruf und das persönliche Interesse für die Fotografie zu kombinieren.