„Think Pink!“ – eine Signalfarbe und ihre Wirkung
 in der Werbung

Jetzt im Frühling springt uns wieder die satte Blütenpracht mit ihren bunten Farben ins Auge und sorgt für Abwechslung und neue Lebensfreude nach dem Wintergrau. Das ist gerade die rechte Zeit, um sich mit einem Farbton zu beschäftigen, der wie kein anderer für knallige Effekte steht – PINK! Denn das kräftige satte Rosa, eine Unterart von Violett, ist nicht nur in Mode und Werbung ein Hingucker, sondern setzt auch in lizenzfreien Stockbildern Akzente.

© Tania Cervián/Westend61

Ähnlich wie das festliche Rot, mit dem wir uns hier schon einmal befasst haben, zeichnet sich Pink vor allem durch seine Signalwirkung aus. Deshalb begegnet uns dieser Farbton auch häufig in Leuchtschriften und Reklame. Im Unterschied zu Rot und Orange ist Pink auffälliger, weil ungewohnter für das Auge; es ist auch eine Farbe, die uns in der Natur eher selten begegnet, und wenn, dann eher im zarteren Rosa duftender Blüten.​

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Während der Farbton Rosa eine lange Tradition hat, ist die kräftigere, weil mehr beigemischtes Blau enthaltende Nuance Pink eine Kreation der Neuzeit: Die italienische Modeschöpferin und Künstlerin Elsa Schiaparelli war es, die sich 1931 die plakative Wirkung von Pink zunutze machte, als sie ein Parfüm namens „Shocking Pink“ auf den Markt brachte. Eine gute Idee, steht Pink doch für Präsenz, Gesehen werden, Dominanz, manchmal auch angereichert mit einer Prise Erotik – und wer möchte nicht diese Attribute haben?

Zwar wurde Pink in der westlichen Welt lange Zeit vor allem als femininer Gegenentwurf zum eher maskulin besetzten Blau wahrgenommen, doch ändern sich solche farblichen Assoziationen: Längst haben auch die Herren der Schöpfung erkannt, dass pinke Accessoires das gewisse Extra sein können – etwa in Gestalt peppiger Socken, die dem smarten Geschäftsmann eine Spur optischer Extravaganz verleihen.

Eine Farbe mit gewissem Image

Pink hat ein schrilles, flippiges Image, und es gibt viele Möglichkeiten der Abstufung, wenn es darum geht, den eigenen Auftritt mit dieser Farbnote interessanter zu machen: Von lackierten Fingernägeln über rote Kleidungsstücke bis hin zu gefärbten Haaren, von exzentrisch über ein bisschen crazy bis aufgedonnert.

© Veam/Westend61

Was zu viel ist, ist zu viel: Das gilt auch und gerade für eine knallige Farbe wie Pink. Man kann das Bestreben, alle Blicke auf sich zu ziehen, auch übertreiben – und dann wirkt das eher peinlich. Nicht aber, wenn man divenhaftes Gehabe persifliert, indem man es auf Vierbeiner überträgt, die dann (unfreiwillig) der Erheiterung dienen.

Pink steht für Vielfalt und das Gute

Auch politische und gesellschaftliche Bewegungen nutzen den hohen Aufmerksamkeitsfaktor der Farbe Pink, um damit für ihre Anliegen zu werben – man denke nur an die Schwulen- und Lesbenbewegung. Das ist kein Wunder, wird der Farbe Pink zudem eine starke Wirkung auf die menschliche Psyche zugeschrieben: Pink verstärkt positive Gefühle, besänftigt Aggressionen und Gewalt, macht ausgeglichener und ruhiger.

Die Power steckt im Kontrast

Die starke Kontrastwirkung von Pink lässt sich in vielfältiger Weise nutzen, um ein Bild interessanter zu gestalten. In Motiven aus der Arbeitswelt kann Pink ein eher nüchternes Motiv auflockern und damit freundlicher erscheinen lassen: Der graue Büroalltag wird durch ein paar Farbtupfer gleich kurzweiliger. Pink steht für Neues, Jugendlichkeit und Frische und setzt damit wirkungsvolle Akzente in Bildern, die Gewachsenes, Gediegenes und Solides zeigen – so wie zum Beispiel die pinke Farbe, die einem alten Brett wieder zu neuem Glanz verhilft.

Am stärksten ist die Kontrastwirkung, wenn ansonsten Grau oder Schwarz-Weiß-Töne vorherrschen: Dann wird auch die kleinste Botschaft in Pink zum alles beherrschenden Hingucker in einem Bild – umso mehr, wenn nicht nur die Farben, sondern auch lineare und geschwungene Linien zusätzlich für Spannung sorgen wie hier. Pink wirkt ausdrucksstark und anregend, es setzt gewissermaßen ein farbliches Ausrufezeichen und vermittelt die Botschaft „Hey, das Leben ist bunt, und nicht grau – Think Pink!“. Und außerdem tut es uns allen gut, die Dinge von Zeit zu Zeit durch die rosarote Brille zu betrachten, oder?

Hubertus Stumpf

Hubertus Stumpf weiß als langjähriger Zeitungsredakteur, dass ein guter Text nur die halbe Miete ist, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen – genauso wichtig ist ein gutes Bild, das den Betrachter in den Text zieht. Der studierte Germanist ist ein Mann der schreibenden Zunft, beschäftigt er sich aber seit einiger Zeit auch verstärkt mit den Möglichkeiten der Digitalfotografie.