Echt nachhaltig: Wie grün sind die Deutschen?
Das Auto wird stehen gelassen, der Nachbar kritisch beäugt, und die Plastiktüte im Supermarkt haben wir schon längst durch einen kleinen Stoffbeutel ersetzt. Deutschland lebt nachhaltig oder zumindest bemüht es sich darum. Immerhin vermeidet ein Drittel der Deutschen Abfall, verzichtet auf Plastik und kauft regionale und saisonale Produkte ein. Hunderttausende Menschen folgten dem Aufruf der „Fridays for Future“-Bewegung und gingen am 20. September diesen Jahres für das Wohl unserer Erde und all ihren Bewohnern in Deutschland auf die Straße.
Spätestens seit Greta Thunbergs simplen, aber sehr kontrovers diskutierten Aufruf „Skolstrejk för Klimatet“ (Schulstreik für das Klima) ist das Thema Klimapolitik in der breiten Masse angekommen, zunächst bei den Schülern und nun so langsam auch bei uns Erwachsenen. Nachhaltig verankert, ist es allerdings noch nicht. Da wir uns schon länger auf visueller Ebene mit der Kommunikation eines nachhaltigen Lebensstils beschäftigen, wollen wir einmal mehr einen Schulterblick wagen: Wie nachhaltig sind die Deutschen wirklich?
So grün leben die Deutschen
Kommen wir zu den Fakten: Das unabhängige und private Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa hat den Status quo der Nachhaltigkeit in deutschen Haushalten erforscht*. Wir fassen in der Folge die wichtigsten Aussagen der Studie zusammen.
Entgegen dem Trend, sich alles liefern zu lassen, gehen 90 Prozent der Deutschen selber einkaufen. Die wichtigsten Ausprägungen der Nachhaltigkeit bei der Ernährung sind „Foodwaste“ und eine Tierleid-freie Ernährung. 89 Prozent der Befragten versuchen, keine Lebensmittel zu verschwenden oder wegzuwerfen. Die Tendenz sinkt von alt nach jung. Bei der fleischarmen Ernährung werden die Altersgruppen etwas durcheinandergewürfelt.
36 Prozent der 18- bis 29-Jährigen konsumieren weniger Fleisch, während Menschen ab 60 bei 31 Prozent landen. In den Jahrgängen dazwischen wird noch deutlich mehr konsumiert. Ähnlich staffeln sich die Altersgruppen bei der Frage nach geringem bis gar keinem Konsum von Tierprodukten (13% bei 18- bis 29-Jährigen und 12% bei ab 60-Jährigen). Immerhin können wir sagen, dass mehr als ein Viertel der Deutschen Flexitarier und Vegetarier sind. An dieser Stelle weisen wir gerne noch einmal auf unserem Beitrag zum Weltvegetariertag zu Beginn des Oktobers hin. Den Nachtteilen der industriellen Landwirtschaft ist damit doch ein wenig Einhalt geboten: Wir finden das erfreulich.
Bewusster leben geht oft über den Strom
Der Deutsche an sich ist ja so ein Sparfuchs. Bei so manchen Themen kommt unser innerer Dagobert Duck durch, und wir sehen es gar nicht ein, warum wir nur einen Cent extra ausgeben sollten. Strom- und Wasserverbrauch sind da so zwei Lieblingsthemen der Deutschen. Hier werden wir alle, ob bewusst oder unbewusst zum Klimaschützer. Gerade in den älteren Generationen wird penibel auf den Verbrauch geachtet: 77 Prozent sind es bei Menschen ab 60 Jahren und 69 Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen. In den jüngeren Generationen sinkt es ein wenig ab, nicht zuletzt aufgrund einer deutlich höheren Verwendung von Technik und auch Social Media. Renommierte Wissenschaftler schätzen inzwischen den weltweiten Stromverbrauch durch das Internet auf einem Level mit der CO2-Belastung durch Flugverkehr. Über die Hälfte dieses Verbrauchs entsteht im Übrigen durch Streaming. Wir sprechen hier über Verbrauch im Bereich von Zettabytes (1 Zettabyte = 1 Milliarde Terabyte).
Unsere Spendierhosen sind öko
Die Bereitschaft der Deutschen, für nachhaltige Produkte mehr zu zahlen als für herkömmliche Produkte ist wiederum in den jüngeren Generationen stärker vertreten als bei den älteren.
Fast zwei Fünftel (38%) der Deutschen wären bereit, für bio- und ökologische Kosmetik- und Pflegeprodukte maximal ein Viertel mehr Geld auszugeben. Für nachhaltigere beziehungsweise bio- und ökologische Kleidung wäre fast die Hälfte der Deutschen (44 %) bereit, maximal ein Viertel mehr zu bezahlen. Und auch bei bio- und ökologischen Lebensmitteln wären viele Deutsche (44 %) bereit, ein Viertel mehr auf den Tisch zu legen. 19 Prozent der Befragten würde sogar bis zu 50 Prozent mehr ausgeben, allen voran die 18- bis 29-Jährigen (28%).
Siemens, Commerzbank, Osram, BMW und dann, leider, lange nichts
Nach dem Blick auf die deutschen Haushalte wollen wir noch kurz auf die Wirtschaft schauen, denn auch hier liegt ein enormes Potenzial zum nachhaltigen Handeln: Emissionsfreie Produktionen, regionale Produkte, effektive Energiewirtschaft und CO2-Kompensation durch Klimaschutzprojekte sind nur ein paar Möglichkeiten, mit dem Unternehmen zum Allgemeinwohl beizutragen. Das kanadische Medien- und Beratungsunterunternehmen Corporate Knights veröffentlichte in diesem Jahr die 15. Ausgabe der „Global Top 100“, eine Liste der 100 nachhaltigsten Großunternehmen der Erde.
Es macht sich Ernüchterung breit! Nur vier der gelisteten 100 Unternehmen stammen aus Deutschland: Siemens auf Platz 28, die Commerzbank (Platz 67), Osram (77) und BMW (99).
Dazu muss natürlich gesagt werden, das hier 7500 Unternehmen analysiert werden, die mindestens eine Milliarde US-Dollar Umsatz im Jahr machen. Aber es sind auch nun mal diese Unternehmen, die einen deutlich merkbaren Unterschied machen und das Potenzial haben in sichtbarer Vorreiterrolle voranzuschreiten.
Auf dem ersten Platz liegt übrigens das Biotechnikunternehmen Chr. Hansen Holding aus Dänemark, gefolgt vom französischen Mode- und Luxuskonzern Gering SA und Beste Oyj aus Finnland. Die komplette Liste ist auf der Corporate Knights Homepage einzusehen.
Grüner geht immer
Wir haben ein recht kurzes Fazit. Zwar freuen wir uns, einige der oben genannten Unternehmen immer wieder in unseren monatlichen Nutzungs-Highlights wiederzufinden, jedoch ist weiterhin viel Luft nach oben. Das gilt auch für die deutschen Haushalte, in die das Thema zwar Einzug gefunden hat, jedoch immer noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit bekommt. Es ist vor allem eine Aufgabe, die keinen Abschluss finden wird. Ab jetzt geht es darum, es permanent besser zu machen, um auch unseren Kindeskindern noch eine lebensfähige Erde zu hinterlassen. Wir sind gespannt, wie viele Menschen am 29. November, dem Datum des vierten offiziellen weltweiten Klimastreiks, auf die Straße gehen.
* Quelle sparwelt.de










