Katharina Mikhrins Bildsprache:„Am wichtigsten sind die Menschen“
Seit mehr als fünf Jahren bereichert die aus Sankt Petersburg stammende Fotografin Katharina Mikhrin das Portfolio von Westend61. Die Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen und Emotionen ist ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Und aus manchen ihrer Bilder spricht auch das Selbstbewusstsein starker Frauen. Wir haben uns mit ihr unterhalten, um mehr über ihre Fotografie und ihre Inspirationsquellen zu erfahren.
Hi Katharina, wir haben bereits zwei Interviews mit dir auf unserem Blog veröffentlicht. Du bist also sozusagen schon fast ein Stammgast. Das letzte Gespräch ist schon ein wenig her. Es war zu Beginn der Corona-Pandemie. Inzwischen ist die Welt eine andere. Was ist seitdem bei dir passiert?
Sehr viel! Ich bin mit meinem Studium der Fotografie an der FH Dortmund fast fertig. Außerdem habe ich angefangen Onlineseminare für junge Stockfotograf:innen zu geben und habe einen Foto-Club für Frauen gegründet, der mittlerweile rund 200 Fotograf:innen zählt.

Wir möchten heute ein wenig über Inspiration mit dir sprechen. Zu Beginn möchten wir aber erstmal wissen, warum du dich für die Stockfotografie und Westend61 entschieden hast?
Um ehrlich zu sein, kam ich zufällig zur Stockfotografie. Ich habe erst mit 39 angefangen zu fotografieren. Nach meinem ersten Jahr habe ich festgestellt, dass ich nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Ich wollte Geld verdienen, aber ich war ganz neu auf dem Markt. Keine Kunden, kein Geld, zuhause zwei kleine Kinder und dann auch noch Hausbau. Rückblickend war es eine total stressige Zeit, aber eines wusste ich: Ich will arbeiten und ich will mit der Fotografie Geld verdienen.
Dann sah ich zufällig bei Facebook eine Anzeige von Westend61. Ich habe mir die Webseite genauer angesehen und dachte mir „Niemals, da komme ich nicht rein.“ Ich habe meine Fähigkeiten mit den vielen Fotograf:innen aus dem Portfolio verglichen und fand mich einfach nicht gut genug. Aber – und dafür bin ich in diesem Fall dankbar – Facebook-Werbung kann ja ganz schön nerven… und nachdem Westend61 dort zum fünften Mal aufgetaucht war, habe ich mich dann einfach getraut. Die schienen das ja zu wollen! Ich habe mich also beworben und schon nach ein paar Tagen die Zusage bekommen. Seitdem hat sich mein ganzes Leben geändert! Ich bin sehr dankbar, dass man bei Westend61 mein Potenzial gesehen hat.

Menschlich, familiär und emotional – hier findest du noch mehr Bilder von Katharina Mikhrin.
Eine deiner Produktionen beinhaltet Bilder, die man wohl zu den bekannteren im Westend61 Portfolio zählen kann. Wir sehen zum Beispiel deinen Mann, der sich zwei Sonnenblumen vor die Augen hält und dabei eure Tochter auf den Schultern trägt. Für uns steht diese Produktion vor allem für Nachhaltigkeit. Wofür stehen diese Bilder für dich? Wie ist es zu der Produktion gekommen?
Das Bild mit den Sonnenblumen stammt aus dem Jahr 2019. Da hatte ich schon ein recht klare Vorstellung, wie man sich für ein Fotoshooting vorbereiten sollte: Ich hatte schon Bilder im Kopf, habe passende Kleidung gekauft und dann Moodboard und Konzept erstellt.

Für mich stehen die Bilder aus der Sonnenblumen-Serie für Naturliebe und auch für Nachhaltigkeit. Die Protagonist:innen sind mitten in der Natur. Ein zweites Bild, das vielleicht bekannteste von mir, habe ich im Jahr 2018 an demselben Feld fotografiert. Dieses Bild zeigt Liebe in der Familie, Spaß und gleichzeitig Sicherheit. Übrigens, eine lustige Notiz zu diesen Bildern: Mein Uni-Professor ist Werbefotograf und er hat mein Bild als Referenz für eine Werbekampagne in der Schweiz bekommen.
Dann gleich noch eine weitere Frage zu deinen Bildern. Welches Bild aus deinem Portfolio ist dein persönliches Lieblingsbild?
Eine schwierige Frage für mich, denn ich bin sehr kritisch mit meinen eigenen Bildern. Fast jede Serie meines Portfolios hat eine eigene Geschichte und erinnert mich an etwas.
Diese kleine Serie zum Beispiel habe ich mit meinen Kindern, die sozusagen meine „partners-in-crime“ sind, im Jahr 2018 fotografiert. Ich habe eine schöne Wiese mit Margeriten aus dem Auto heraus gesehen. Ich habe mich sehr schnell entschieden, dort zu fotografieren. Ich hatte schon Bilder im Kopf: Kinder und Margeriten – was kann es Besseres geben? Da wusste ich noch nicht allzu viel von Planung und Konzepten. Das war einfach aus dem Bauch raus. So kann es natürlich auch gehen.

Die Margeriten wuchsen überall, hatten aber Dornen und außerdem war es sehr warm.
Diese Bilder sind für mich Metaphern für das Leben. Dornen und Margeriten wachsen zusammen, das ist völlig normal. Das passt zu meinem Lieblingsmotto „Per aspera ad astra – Über raue Pfade gelangt man zu den Sternen“; hier also „Durch die Dornen zu den Margariten.“
In unserem ersten Interview 2018 warst du noch recht neu in der Stockfotografie. Was würdest du jetzt, vier Jahre später, Fotograf:innen raten, die sich auch mit Stockfotografie beschäftigen wollen?
Fangt einfach an! Produziert ständig neue Bilder und seit dabei geduldig. Stockfotografie ist vielfältig. Es gibt ein breites Spektrum an Themen und Gebieten. Man kann alles ausprobieren. Wer dran bleibt, findet sein Thema.
Was inspiriert dich in deiner Arbeit?
Liebe zu den Menschen und zur Freiheit – aber am wichtigsten sind die Menschen. Sie inspirieren mich sehr.

Gibt es ein Foto, das du unbedingt einmal machen möchtest? Wenn ja, welches?
Klar, meinen Bestseller würde ich schon gerne wiederholen. Es gibt da noch eine Idee, die ich umsetzen will: eine kleine Geschichte über den Alltag, so wie er ist – vielleicht mit mir als Model. Die Bilder werdet ihr bestimmt bald zu sehen bekommen.
Und zu guter Letzt: Wir bitte alle Fotograf:innen ein inspirierendes Foto aus dem Westend61-Portfolio herauszusuchen (es darf nicht von dir selber sein) – welches möchtest du uns zeigen?
Ich liebe die Bilder von Antje Merkel sehr. Das Bild mit der Mutter und dem Baby strahlt so viel Liebe und Zärtlichkeit aus. Ich könnte es mir auf einer Kinoleinwand ansehen. Einfach nur dieses Bild, stundenlang.

Liebe Katharina, vielen Dank für das Gespräch. Es war wie immer gesellig!






