FotoProduktionen sind mein Club
Malte Jäger ist ein Mensch voller Leidenschaft und Entdeckergeist! Während unseres Interviews haben wir schnell gemerkt, wie er mit Neugierde in manche Situationen gegangen ist und welche Lehren er als Fotograf daraus gezogen hat. Mit offener und ehrlicher Art erzählt er uns von seinem Sprung in die Welt der Stockfotografie und verrät uns, was ihn bei seiner Arbeit inspiriert.

Servus Malte, wir bedanken uns erst einmal für deine Zeit und gehen dann direkt in die Vollen – warum bist du Fotograf geworden?
Mein Antrieb ist und bleibt ganz klar: Neugierde und die Lust an Emotionen. Das kann das Erzeugen von Emotionen sein, aber natürlich fühle ich auch selbst gern. In meinem Alter sind Fotoproduktionen vielleicht das, was für mich früher der Gang in den Club war. Ich treffe viele spannende Menschen, lache mit ihnen, leide manchmal mit ihnen, gehe an meine Grenzen mit ihnen.
Die Neugierde kann dabei auf Menschen, Orte und Situationen, die ich mir nie vorher hätte erträumen können bei mir geweckt werden. Oder auch auf Zusammenhänge, die sich mir durch meine Arbeit erschließen. Wenn ich dann meine Neugierde mit meinen Emotionen (bei Orten und Dingen) und den Emotionen der Menschen, die ich fotografiere, zusammen rühre, kommt dabei meine Art der Fotografie heraus. Das Medium Fotografie begeistert mich dabei, weil ich, auch nach zwanzig Jahren der Beschäftigung damit, diesen einen, eingefrorenen, ganz speziellen Moment wahnsinnig spannend finde.


Du kommst ursprünglich aus der klassischen Auftragsarbeit – zu deinen Kunden zählen z.B. Werbeagenturen und deine Arbeit fokussiert sich auf People, Lifestyle und Hospitality. Wie bist du zur Stockfotografie gekommen und warum hast du dich dazu entschieden, mit Westend61 zu arbeiten.
Ich arbeite nach wie vor in der Hauptsache an Auftragsarbeiten. Ich liebe es sehr, im Team und mit Kunden Ideen zu entwickeln und Bedürfnisse anderer in auf meine Weise und in meiner Arbeit zu befriedigen. Diese Art zu Arbeiten gibt mir unglaublich viel. Stockfotografie kann mir das, während einer laufenden Produktion auch geben.
Wie kam es zur Zusammenarbeit? Ich wurde von W61 um Zusammenarbeit gebeten und wurde neugierig. Wie immer ;).


Gern wollte ich diese Art des Arbeitens ausprobieren. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass es sich finanziell nicht ausreichend für mich lohnt Produktionen speziell für den Stock Markt durchzuführen und hier in Vorleistung zu gehen. Noch dazu kann ich mit den auf diesem Markt hauptsächlich gewünschten Motiven für mich und meine Sicht auf die Fotografie wenig anfangen. Dennoch ist eine Zusammenarbeit weiterhin interessant für mich, da ich immer wieder gern mein Portfolio um freie Arbeiten erweitere und diese sich mit den Einnahmen aus dem Stockmarkt teilweise refinanzieren lassen.

Neugierig geworden? Hier findest du alle Bilder von Malte Jäger.
Wir möchten heute ein wenig über deine Arbeit und Inspiration sprechen. Fangen wir mit deinen Bildern an. Hast du ein Foto, auf das du besonders Stolz bist?
Eine schwere Frage. Ich habe viele Bilder gemacht, die mir gefallen. Aber andere können das vielleicht besser entscheiden: Vor einigen Jahren habe ich mal mit einem Motiv einen World Press Foto Award gewonnen. Das hat mich damals sehr überrascht und erfreut. Überrascht, weil ich eigentlich nie an solchen Wettbewerben teilnehme und es daher natürlich umso spannender war beim ersten Versuch zu gewinnen. Erfreut einerseits, weil mich die prämierten Arbeiten in diesem Wettbewerb damals sehr inspiriert haben, andererseits natürlich der Anerkennung wegen. Ich wollte damals eigentlich als Fotojournalist und Dokumentarfotograf glücklich werden, obwohl ich wusste, dass es dafür eigentlich keinen Markt mehr gibt. Also habe ich mir ein eigenes Projekt ersonnen und dafür ein Kunststipendium beantragt. Mit dieser Hilfe und einer Kooperation mit dem Magazin GEO konnte ich ein wunderbares Buch erstellen. Für „Couchsurfin’ the world“ reiste ich (fast) um die ganze Welt auf den Spuren von Menschen die das damals recht neue und sehr aktive Gastfreundschaftsnetzwerk Couchsurfing.com nutzten. Ich habe also Menschen auf ihren Reisen, auf denen sie nur bei Fremden übernachteten, begleitet und diese dokumentarisch fotografiert.
Das World Press Photo Gewinnerbild ist bei einem sehr sympathischen, nudistischen Couchsurfing Gastgeber in New York City entstanden, bei dem damals Unmengen an Couchsurfern gleichzeitig wohnten. Ein wunderbar schräger Ort. Ich habe übrigens auf der violetten Luftmatratze mit Blaugrünem Schlafsack in der Raummitte übernachtet ;).
Woraus ziehst du Inspiration für deine Arbeit?
Meine Inspiration ziehe ich vor allem aus Erlebnissen und Gesprächen mit inspirierenden Menschen. Unterbewusst bestimmt auch aus allen Medien, die ich konsumiere. In diesen Zeiten ist das hauptsächlich Social Media, insbesondere in der Quantität, aber sicher auch Filme und Serien, Werbung, Ausstellungen und die wenigen Printmedien, die ich noch in die Finger bekomme.



Du hast einen unverkennbaren Look. Man kann deine Bilder klar hervorheben und sagen „das ist von Malte“ – wie bist du dort hingekommen? Hat sich dieser Look entwickelt? Hattest du Inspiration?
Herzlichen Dank für die Blumen. Nichts hört ein Kreativer lieber, zumindest ich nicht.
Ich habe diesen Satz zum Ende meines Fotografie Studiums, vor 18 Jahren, von meiner damaligen Partnerin zu hören bekommen und war damals sehr erfreut und gleichzeitig sehr verwundert, weil ich das selbst noch gar nicht so sah. Interessant wäre nun, ob sich dieser Look seitdem gehalten, oder verändert hat.
Ich habe in jedem Fall keine eindeutigen Vorbilder, weder aus anderen Genres noch aus der Fotografie. Wenn ich ein paar inspirierende Künstler benennen müsste, dann vielleicht Henri Cartier-Bresson (nach dem ist übrigens mein Sohn benannt), Ulrich Seidel, Quentin Tarantino, Wes Anderson und William Eggleston. Ich denke man sieht es nicht unbedingt in meinen Bildern, aber mich inspirieren ihre Arbeitsansätze. Mir gefällt die plastische Alltäglichkeit, die diese Künstler, jeder auf seine Weise, verkörpern.
In einer deiner letzten Produktionen hast du dich mit dem Thema Sinnlichkeit auseinandergesetzt. In dieser Bilderreihe ist eine klare Dramaturgie zu erkennen. Hilft dir da die Erfahrung aus der Werbefotografie? Wie kam es zu dieser Bilderreihe?
Sinnlichkeit schwingt für mich in jeder meiner Arbeiten mit. Emotionen zu erzeugen ist mein höchstes Ziel. Das gelingt natürlich schwerer bei einer Corporate Reportage über, sagen wir Schiffschraubenherstellung, als in einer freien Produktion, wie dieser. In diesem Fall wollte ich die Sinnlichkeit so sehr in den Vordergrund stellen, wie ich konnte und musste sie daher auch deutlich zeigen.



Ein lustiger fun fact dazu: Die Modelle hatten sich vor der Produktion noch nie gesehen und sind abends tatsächlich zusammen nach Hause gegangen. Es scheint uns allen also gelungen zu sein, die Sinnlichkeit nicht nur darzustellen, sondern wirklich ans Set zu holen und zu leben.
Gibt es ein Foto, das du unbedingt einmal machen möchtest? Wenn ja, welches?
Tausende. Aber eins herauszugreifen, dass fällt mir schwer. Im Moment wäre es ein Bild von einem unglaublich leckeren Essen 🙂
Wir bitten alle Fotograf:innen ein inspirierendes Foto aus dem Westend61-Portfolio herauszusuchen – welches möchtest du uns zeigen? Natürlich wollen wir uns auch an dieser Stelle vielmals für das Gespräch bedanken.
Ich möchte euch da gern ein Bild von Letizia Haessig zeigen.



