(Stadt)Landschafts-fotografin Kerstin Bittner: unterwegs zwischen Straßenschluchten und stillen Sehnsuchtsorten

(Bild: Kerstin Bittner © Britta Loose-Buhr)

Die Vielfalt der bunten Bilderwelten im Portfolio von Westend61 spiegelt sich in der Individualität der Fotograf*innen, mit denen wir europaweit zusammenarbeiten. Hier finden sich Menschen mit den unterschiedlichsten Werdegängen und fotografischen Konzepten. Ihre Kreativität ist Grundlage und Bedingung unseres Erfolgs als Stockfoto-Anbieter. Werfen wir heute mal wieder einen Blick auf die andere Seite der Kamera, und sehen uns an, wie sie arbeiten. Dazu stellen wir Euch Kerstin Bittner aus Hamburg vor, die mit ihren (Stadt)Landschaften seit Jahren einen festen Platz in unserem Portfolio hat.

Die Westend61-Bilder von Kerstin sind wie eine spannende Reise durch Deutschlands Norden: Küstenlandschaften, aber immer wieder auch ihre Wahlheimat Hamburg aus den verschiedensten, neuen Blickwinkeln und in traumhaften Lichtstimmungen. Und spannend ist auch ihr Weg in die professionelle Fotografie: Kerstin Bittner ist promovierte Biologin und hat etwa 20 Jahre lang in diesem Bereich gearbeitet. Der präzise Blick der Naturwissenschaftlerin verbindet sich bei ihr mit einem sicheren Gespür für die Schönheit natürlicher wie auch menschengemachter Umgebungen.

Als die gebürtige Eckernförderin 1997 nach ihrem Studium in Kiel für ihre Doktorarbeit nach Konstanz an den Bodensee zog, dachte sie wohl noch nicht daran, einmal die Fotografie zu ihrem Beruf zu machen. „Das Fotografieren war damals vor allem Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit für mich. Was gibt es Besseres, als bei spannenden Lichtstimmungen am Bodenseeufer zu sitzen und zu fotografieren? Man kommt dabei zur Ruhe und hat danach trotzdem das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben“, erinnert sie sich.

Kreative Entspannung mit der Kamera also. Aber nicht nur das: „Ich habe damals in einem Umweltbüro u.a. in der Umweltkommunikation gearbeitet und konnte dabei wissenschaftliches Arbeiten und die Fotografie miteinander verbinden.“ Mit zunehmend besserem fototechnischem und gestalterischem Know-how wuchs die Freude am Fotografieren. Über Kontakte aus der Arbeit kamen erste Aufträge für Firmen- und Businessfotografie zustande.

© Westend61 / Kerstin Bittner

Als Kerstin Bittner und ihr Ehemann 2017 nach Hamburg umzogen, war die Fotografie schon längst mehr als ein Hobby für sie geworden. Auf ausgedehnten Streifzügen mit der Kamera erkundete sie ihre neue Heimat. Dabei war sie nicht nur viel zu Fuß unterwegs, sondern ging gleichzeitig Schritt für Schritt weiter in Richtung Profifotografin. Daneben spezialisierte sie sich auf Familienbilder, die mit ihrer Spontanität und Vitalität ein Gegengewicht zu den meist „unbemenschten“ (Stadt)Landschaftsimpressionen bildeten.

2015 entstand der Kontakt zu Westend61. „Ich war auf der Suche nach einer deutschsprachigen Agentur, was mir wegen der urheberrechtlichen und vertragstechnischen Details wichtig war. Ich schätze an Westend61 die gute Kommunikation im Team, die hohen Qualitätsstandards und die Hilfsbereitschaft, wenn man mal einen Rat braucht.“ Es war der Beginn einer für beide Seiten fruchtbaren Zusammenarbeit: für uns durch die Bereicherung unseres Portfolios, für Kerstin die Möglichkeit, sich nach und nach eine stabile passive Einkommensquelle neben der Auftragsfotografie zu erschließen.

Wie für die allermeisten Fotograf*innen war der Corona-Lockdown auch für Kerstin eine Zäsur. Vor fast genau vier Jahren stand mit einem Mal das Leben still. Die Pandemie war nicht nur eine gesundheitliche und soziale Krise, sondern gerade für viele Menschen aus der Kultur- und Kreativbranche eine existenzielle wirtschaftliche Herausforderung. Nicht anders bei Kerstin Bittner: „Die Familienfotos, die bis dahin ein wichtiges Standbein waren, gingen dann auf einmal nicht mehr.“ Doch sie machte das Beste aus der Situation: Mit zahlreichen Bildern von plötzlich menschenleeren, sonst vor Hektik und Geschäftigkeit sprudelnden Orten inmitten der Großstadt schuf sie nicht nur ästhetisch ansprechende Fotos, sondern auch beeindruckende Zeitdokumente dieser Ausnahmesituation. Ihr Fazit: „So war das alles in allem und trotz aller Sorgen doch eine sehr produktive Zeit für mich. Und ich war froh, dass ich damals auch weiterhin meine Bilder bei Westend61 einreichen konnte.“

© Westend61 / Kerstin Bittner

Inzwischen ist Kerstin viel breiter aufgestellt, was ihr Angebot betrifft: neben der Stockfotografie fotografiert sie Bilderreportagen und Imagefotos für Firmen, Vereine und Museen, liefert aber auch Bilder für Kunstdrucke, Kalender und Postkarten, für Reisemagazine und -führer. Diese Variationen ihres Portfolios sind Ergänzung, für sie aber auch Abwechslung zu ihrem angestammten Metier Landschaftsfotografie: „Hier das Ruhige, Geplante in der Landschaftsfotografie, dort der Umgang mit Menschen und die ,Action‘ bei den Reportagen. Bei Letzterem liebe ich vor allem den Blick hinter die Kulissen.“ Hier hat sie es nicht mit Models zu tun, sondern mit „echten Menschen aus dem echten Leben; schließlich kommt es hier auf Wiederkennungswert und „personal touch“ an. 

Profifotografie ist ein sich ständig wandelndes Umfeld, das Flexibilität erfordert. Dass sich Kerstin hier gut behaupten kann, führt sie auf ihren Mix an Motiven und Vermarktungswegen zurück. Stockfotografie als regelmäßige Einkommensquelle ist inzwischen ein wichtiges Standbein in ihrem Konzept. Kerstin ist bei Westend61 eine der wenigen Fotograf*innen, die sich in ihrem Stockfoto-Portfolio auf die weniger lukrative Landschaftsfotografie spezialisiert haben, während bei den meisten anderen der Schwerpunkt auf „People & Lifestyle“ liegt. Trotzdem gelingt es ihr mit inzwischen mehr als 2600 bei Westend61 gelisteten Bildern stabile Umsätze zu generieren. Ihr Erfolgsrezept: „Permanent dranbleiben, aktuell bleiben und auch in der klassischen Landschaftsfotografie versuchen eine eigene Bildsprache zu finden.“ Und das bedeutet akribische Planung im Vorfeld, sich oft zu früher Stunde aufzuraffen, um an einer bestimmten Fotolocation zu sein – und dort dann auf das perfekte Licht zu hoffen. 

Kerstin hat aber auch die Veränderungen in der Branche bemerkt, vor allem den steigenden Preisdruck auf Fotograf*innen. Das gilt gerade in der Städte- und Landschaftsfotografie, in der viele Anbieter guter Fotos miteinander konkurrieren und wo Hobbyfotografen ihre Bilder oft unter Wert verkaufen. Kritisch sieht Kerstin den KI-Hype: „Das ist gerade bei Stadt- und Landschaftsmotiven eine Bedrohung für uns: Ich denke, dass KI bald in der Lage sein wird, von vielfotografierten Orten ,das perfekte Bild‘ zu machen – und zwar indem sie zum Beispiel von meinen, mit viel Aufwand produzierten Bildern lernt.“ Sie glaubt auch, dass bestimmte klassische Stock-Motive, wie zum Beispiel Symbolbilder zu den verschiedensten Themen, bald von KI dominiert werden könnten.

© Westend61 / Kerstin Bittner

Doch umgekehrt ist Kerstin auch sicher, dass es immer Nischen für die Foto-Profis aus Fleisch und Blut geben wird: vor allem dann, wenn Authentizität, Emotionalität und persönlicher Wiedererkennungswert gefragt sind, wie etwa bei Bilderreportagen, in denen es um Menschen geht – und das ist ja zum Glück ziemlich oft der Fall. „Einen solchen persönlichen Zugang kann KI nicht leisten“, ist Kerstin sicher. Und das Wichtigste: „Egal, wen und was man fotografiert: Man muss immer Individualität reinbringen, um sich abzuheben.“

Mehr Infos zu Kerstin findet ihr auf ihrer Homepage kerstinbittner.de und auf ihren Instagram-Account @kerstinbittner_fotografie

Hubertus Stumpf

Hubertus Stumpf weiß als langjähriger Zeitungsredakteur, dass ein guter Text nur die halbe Miete ist, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen – genauso wichtig ist ein gutes Bild, das den Betrachter in den Text zieht. Der studierte Germanist ist ein Mann der schreibenden Zunft, beschäftigt er sich aber seit einiger Zeit auch verstärkt mit den Möglichkeiten der Digitalfotografie.