Lohas 2.0: Genießer mit Gewissenhaftigkeit

Auf dem Markt der lizenzfreien Stockfotos drehen sich die Dinge nicht bloß um Trends, sondern auch um aktuelles Zeitgeschehen. Dazu gehören vor Allem die Ereignisse, die unsere Gegenwart und Zukunft maßgeblich beeinflussen. Die daraus resultierenden Konsequenzen sind dabei nicht immer schön. Auch in Zeiten von Missständen und Krisen kommt es vielerorts auf eine konsequente, klare und erfolgsversprechende Bildsprache an. Mit Blick auf die kommenden, richtungsweisenden Bundestagswahlen und die Flutkatastrophe fest in Gedanken, wenden wir unseren Blick einmal mehr auf eine Gruppierung, die in diesen Zeiten besonders in ihrer Vorreiterrolle gefragt ist, die LOHAS.

Stockfoto, lizenzfrei, Porträt einer lächelnden Frau, die in einem Loft am Schreibtisch steht und durch ein Fenster schaut
© Maskot/Rainer Berg

LOHAS steht für „Lifestyles of Health and Sustainability“, was sich mit „Gesunde und nachhaltige Lebensstile“ übersetzen ließe. Das geschärfte Umweltbewusstsein, das sich in allen Aspekten der grünen Bewegung manifestiert, hat längst sein früheres Birkenstock- und Schlabberlook-Image abgelegt und ist in der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft angekommen. Der Körnchenmümmler und Müsli-Man ist passé und hat dem bewussten Genießer Platz gemacht, für den Konsum und Lebensfreude auf der einen und Nachhaltigkeit und ökologischer Verantwortung auf der anderen Seite kein Widerspruch sind.

Stockfoto, lizenzfrei, Porträt einer lächelnden Geschäftsfrau mit Laptop im modernen Konferenzraum

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Die LOHAS wollen aber nicht nur für die Schöpfung Verantwortung übernehmen, sondern – als Voraussetzung dafür – zunächst einmal für sich selbst. Ihr Lebensstil steht im engen Kontext mit dem Megatrend Achtsamkeit, dem Streben nach einem bewussten Leben im Hier und Jetzt, einem Dasein im inneren Gleichgewicht und dem daraus resultierenden Gelassenheit. Auf eine kurze Formel gebracht, könnte man ihren Lebensentwurf mit „Bewusst genießen statt gedankenlos konsumieren“ umschreiben.

Stockfoto, lizenzfrei, Man kauft frisches Gemüse im Supermarkt
© Maskot/Westend61

„Grüne“ Kaufentscheidungen sind auch ein Statussymbol

LOHAS treffen bewusste Kaufentscheidungen unter ethischen Gesichtspunkten. Fairtrade und die Bevorzugung regionaler Produkte sind gute Beispiele für dieses veränderte Konsumverhalten. Die Entscheidung für das meist etwas teurere Bio-Produkt trägt nicht nur (tatsächlich oder vermeintlich) zur Reduzierung von Umweltbelastungen bei, sondern packt neben der Öko-Gurke auch gleich ein bisschen gutes Gewissen mit in den Einkaufskorb. Darüber hinaus sind „grüne“ Kaufentscheidungen auch ein Statusgewinn: Mit der Mehrausgabe für Bio-Food signalisieren die LOHAS, dass sie sich das auch leisten können und wollen.

Stockfoto, lizenzfrei, Junge Frau im städtischen Garten, die wachsende Pflanzen um Holzstöcke wickelt
© Image Source RF/Arno Images/Westend61

Die LOHAS wollen – in Abgrenzung zum „Multi Performer“ – nicht das Zentrum des eigenen Universums sein, sondern sie fühlen sich verbunden mit der Welt und den Menschen um sie herum. Daraus resultiert ein Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber dem größeren Ganzen, das über das eigene Leben in seiner Begrenztheit hinausweist: Familie, Kollegen, Gesellschaft, Menschheit. Nachhaltig zu leben bedeutet für die LOHAS nicht nur schonend mit dem Planeten umzugehen, sondern auch mit sich selbst und den eigenen Kräften: Auch mal Pause machen und neue Energie tanken statt im Hamsterrad zu strampeln bis zum Burnout, Auszeiten statt Überstunden, mal wieder offline sein ohne schlechtes Gewissen und ohne das Gefühl, vermeintlich etwas zu verpassen.

Ein wichtiges Merkmal der LOHAS ist ihre Suche nach einer sinnstiftenden beruflichen Tätigkeit, die nicht nur gutes Einkommen und Status, sondern vor allem ein Gefühl der Authentizität und des Einklangs mit den eigenen Werten bietet. Sie wollen vernünftig und bewusst wählen und nicht in atemloser Hast alles erleben und ausschöpfen, was möglich wäre. Sie möchten so leben, dass etwas übrig bleibt für die kommenden Generationen.

stockfoto, lizenzfrei, Geschäftsmann benutzt Smartphone im Solarpark
© Robijn Page/Westend61

Ökologie und Ökonomie sind kein Gegensatz mehr

Diese Lebenseinstellung mag eine gewisse Reife und Lebenserfahrung – und dazu auch das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit – voraussetzen, und deshalb sind viele ihrer Anhänger schon in den mittleren Jahren oder älter. Aber auch unter jungen Menschen, die nicht mehr wie ihre Eltern und Großeltern das Wachtumsmantra „Schneller, höher weiter!“ nachbeten wollen, findet das Konzept der LOHAS immer mehr Anhänger. Ein glückliches und erfülltes Leben ist ihnen wichtiger als ein großes Auto und ein dickes Bankkonto. Doch sind für sie – und das ist der Unterschied etwa zur Hippie-Ära – Ökologie und Ökonomie keine unvereinbaren Gegensätze.

Stockfoto, lizenzfrei, junge Frau liest Flaschenetikett im Supermarkt
© Maskot/Westend61

Denn viele der jungen LOHAS sind bei allem Nachhaltigkeitsdenken ausgesprochen technikaffin und fortschrittsgläubig. Sie arbeiten beispielsweise an neuen technologischen Ansätzen zur Effizienzerhöhung bei gleichzeitiger Schonung der Ressourcen und Verminderung von Emissionen. Der von den LOHAS forcierte Trend zur Nachhaltigkeit hat also auch über das Private hinaus hohe Wirkungskraft: Er tangiert und beeinflusst auch Bereiche wie Business-Moral und öffentliche Daseinsvorsorge, wie etwa im Bereich der Energieversorgung.

Hubertus Stumpf

Hubertus Stumpf weiß als langjähriger Zeitungsredakteur, dass ein guter Text nur die halbe Miete ist, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen – genauso wichtig ist ein gutes Bild, das den Betrachter in den Text zieht. Der studierte Germanist ist ein Mann der schreibenden Zunft, beschäftigt er sich aber seit einiger Zeit auch verstärkt mit den Möglichkeiten der Digitalfotografie.